Keine Alternative für Deutschland und Homosexuelle!

Immer mehr Schwule und Lesben machen sich mit der Alternative für Deutschland und ihren Positionen gemein. Doch diese Alternative ist keine für Deutschland und auch nicht für Homo-, Bi-, Trans-, Intersexuelle oder andere Minderheiten. Ein Kommentar, der vor den gestrigen Landtagswahlen entstand, aber durch deren Ergebnisse noch an Aktualität gewonnen hat.

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Es gibt tatsächlich immer mehr Schwule und Lesben, auch in meiner Facebooktimeline (warum funktioniert die Filterbubble eigentlich nicht, wenn es nötig wäre?), die sich mit der Alternative für Deutschland und ihren Positionen gemein machen. Da heißt es dann oft, dass diese Partei die einzige sei, die „uns“ vor homophoben Moslems schützt. Zuletzt gelesen in einem SPIEGEL ONLINE-Interview mit Mirko Welsch, dem Bundessprecher der „Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD“.

Betrachten wir doch zuallererst einmal die Ironie, dass man eine Partei dafür lobt gegen Homophobie zu kämpfen, die in den eigenen Reihen genug Homophobe vorweisen kann. Nicht nur an der Basis, sondern auch in Schlüsselpositionen. Beatrix von Storch, die stellvertretende Parteichefin und Berliner Vorsitzende, ist hier nur ein Beispiel. Diese ist (übrigens gemeinsam mit ihrem Mann Sven von Storch) Vorstand des Vereins „Zivile Koalition e.V.“. Dieser wiederrum ist u. a. Träger der „Initiative Familienschutz“, die unter Federführung von Hedwig Freifrau von Beverfoerde die „Demo für Alle“ organisiert.

Die „Demo für alle“ – freilich ein absurder Name, wenn man gegen die Akzeptanz von Minderheiten kämpft – setzt sich für einen Stopp der Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder ein. Deswegen bekämpft sie unter anderem die Darstellung sexueller Vielfalt an Schulen, welche ungefähr genauso viel mit Frühsexualisierung zu tun hat, wie die aktuelle Politik der CDU links ist.

Dieser Kampf gegen Frühsexualisierung und Gender-Ideologie, betrifft alle jungen Menschen, die auf der Suche nach ihrer Identität sind. Ihnen wird erschwert, sich und all die Veränderungen – die man eben irgendwann im frühen Alter mitmacht – richtig einzuordnen, weil kein offener Umgang mit Sexualität, dem Wandlungsprozess des eigenen Körpers und erstmalig auftretenden „neuen“ Gefühlen möglich ist.

Sexuelle Minderheiten leiden hierunter besonders, weil sie oftmals keine Menschen kennen, zumindest nicht bewusst, die ähnlich fühlen. Wo der persönliche Austausch fehlt, ist zumindest der im Unterricht – begleitet durch erfahrene Pädagogen oder Aufklärungsprojekte wie SchLAu NRW – eine Möglichkeit zu helfen. In diesem Zusammenhang ist auch immer wieder hervorzuheben, wie wichtig Sichtbarkeit ist, um Ausgrenzung vorzubeugen.

Zwar behaupten die Organisator*innen der „Demo für Alle“ sehr beharrlich, dass sie überparteilich seien und mit der AfD nichts zu tun haben. Dennoch hat selbst Beatrix von Storch im Hamburger Wahlkampf ganz offen über ihre Involvierung in die Aktionen des Bündnisses gesprochen, wie queer.de berichtet. Vielleicht ist mit überparteilich aber auch einfach gemeint, dass der CDUler Guido Wolff ebenfalls ein Unterstützer ist.

Auch andere Menschen innerhalb der Partei machen durch Interviewäußerungen und fragliche Aktionen, ihre Position gegenüber sexuellen Minderheiten deutlich. So wollte die thüringische AfD-Abgeordnete Corinna Herold von der Landesregierung wissen, wie viele Homo-, Bi- und Transsexuelle in dem Bundesland leben. Das erinnert an bereits vergangene Zeiten, in denen die Registrierung selbiger normal war.

Unabhängig von diesen Menschen, lebt die AfD davon, vermeintlich einfache Lösungen auf komplexe Probleme zu geben. Sie lebt davon, bestimmte Gruppen verantwortlich zu machen und in Sippenhaft zu nehmen. Es würde nur ein Problem geben, wenn sich das Thema um Flüchtende und Migrant*innen „erledigt“ hätte. Schnell würde spürbar: Soziale Ungleichheit verschwindet nicht, wenn „die Ausländer*innen“ weg sind. Genauso wenig wie (an vielen Stellen strukturelle) Homophobie oder die Unzufriedenheit über eigene Lebensumstände.

Hier müssen die etablierten Parteien sich schon fragen, ob eine gerechtere Politik, die Diskriminierungsschutz und Gleichstellung für alle Menschen beinhaltet, nicht eine langfristige Antwort auf Parolen bietet, die Effekthascherei gleichkommen. Stattdessen schlagen viele Teile der Altparteien in die gleich Kerbe, indem sie eine Reduzierung der Zahlen an Flüchtenden als große Oberlösung verkaufen. Eine Einigung mit Europa zur Verteilung von Flüchtenden, mag ein Puzzleteil sein. Alleine wird aber auch dies keine Dauerlösung. Denn die „Sorgen der Menschen“, von denen oft gesprochen wird, liegen tiefer. Nicht umsonst gibt es immer mehr Nichtwähler*innen.

In den Medien ist sehr häufig die Rede davon, dass die Thematik um Flüchtende der AfD in die Karten spielt. Aus meiner Sicht ist es eine Kombination aus sozialer Ungleichheit, einer oft nicht greifbaren Unzufriedenheit mit dem eigenen Status und dem Gefühl, dass man nun auch noch mit neuen Mitbürger*innen „konkurrieren“ muss. Flüchtende dienen nun als Ventil und lösen einen Argwohn gegenüber „Fremden“ aus, bzw. verstärken diesen, denn er ist ja nicht einfach so vom Himmel gefallen. Das sagt aber meist weniger über die Flüchtenden und dazugehörige Vorurteile aus, sondern mehr über jene, die ganz vorne bei der Ausgrenzung dabei sind.

Gäbe es keine Flüchtenden mehr oder zumindest so viele weniger, dass nicht mehr von einer „Krise“ gesprochen werden kann, dann bliebe eine Leere. Das entstehende Vakuum müsste irgendwie wieder ausgefüllt werden. Mit den nächsten Sündenböcken. Es braucht eine Zielscheibe. Der Fokus verschiebt sich. Niemand kann sagen, dass Homo-, Bi-, Trans-, und Intersexuelle dann nicht plötzlich (noch mehr, sie tun es ja schon, wie oben beschrieben) im Spotlight stehen werden. Natürlich gilt das auch für andere Minderheiten.

Die AfD spielt damit, dass sie die Partei ist, die die „alten Werte erhält“ und befriedigt damit die Sehnsucht derer, die Angst vor Veränderung haben. Wir alle haben unsere Ängste und Sorgen im Leben. Wer aber mit dem Finger pauschal auf Schwächere zeigt, der ist nicht besser als die, die „uns“ verantwortlich machen, wo wir es nicht sind. Die Eheöffnung schadet auch keiner Familie. Unsere Sichtbarkeit keinen Kindern. Solche Argumentationen sind also ähnlich schlüssig, wie gewisse Ressentiments gegen Flüchtende.

Sie bietet also als Partei keine Alternative, in Form von vernünftigen Lösungen, für all das, was sie kritisiert. Schön beschrieben, was ihre Positionen für alle (nicht nur Minderheiten) bedeutet, ist das auf dem Campact Blog. Da hilft eben nur Ablenkung durch Stimmungsmache. Schaut auf die anderen. Dann schaut ihr nicht auf euch und auch nicht auf uns. So fällt gar nicht auf, wie viel heiße Luft zwischen den laut und aggressiv gesprochenen Zeilen steckt.

Nein, die AfD schützt „uns“ nicht vor Moslems. Und schon gar nicht davor, dass ihre Mechanismen auch uns immer stärker bedrohen. Die Saat wirkt gegen das Fremde und die Anderen. Im Zweifel werden auch „wir“ das mit der Zeit sein.

Lesetipp: Queer.de hat kurz nach der Fertigstellung dieses Artikels ausführlich beschrieben, dass die AfD neue Schwerpunkte setzen will. Interne E-Mails des Parteivorstands zeigen deutlich, dass auch Homo- und Transphobie dazugehören sollen. Es wird also immer offensichtlicher, wo die Reise hingeht.

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

CSDs können gar nicht schrill genug sein!

Die Geschichte zeigt, dass heutige Freiheiten nicht durch Heteronormativität erstritten wurden. Akzeptanz durch Anpassung ist diese Bezeichnung nicht wert. Man muss nicht gleich sein, um gut zu sein.

Stonewall

Schon mal das Zitat „Stonewall was fitting in“ gehört? Natürlich nicht. Korrekt ist nämlich „Stonewall was a riot“. Die Menschen in der Stonewall Bar haben einen Aufstand durchgeführt, statt sich zu fügen oder anzupassen. Auf diesen Aufstand in der Christopher Street gehen die heutigen CSDs zurück.

Manchmal kann es schon wundern, dass viele Leute die Worte „Christopher Street Day“ ganz selbstverständlich nutzen, aber sich anscheinend nie damit beschäftigt haben, woher dieser Begriff kommt. Dann würde sich nämlich fast jegliche Diskussion darum erledigen, ob wir uns an diesen Tagen „zu schwul“, „zu anders“ oder „zu schrill“ geben.

Chris Fleischhauer, von Beruf Lottofee, findet derzeitige CSDs kontraproduktiv. Er betont, dass die meisten Schwulen „ganz normal“ – was aus seiner Sicht bedeutet, dass sie kaum von heterosexuellen Männern zu unterscheiden seien – sind.

Herr Fleischhauer ist weder der erste, noch der einzige, welcher CSDs dafür kritisiert, wie sich LGBTIQ* dort präsentieren. Die Debatte gab es schon immer und sie flammt in unterschiedlichen Abständen auch immer mal wieder auf.

Im Detail sieht die Kritik nicht jedes Mal gleich aus. Hier sind die Tunten Schuld, dort ist zu viel nackte Haut das Problem und manchmal wird einfach zu viel gefeiert. Halbnackte, angetrunkene Tunten, die zu Madonna kreischen und tanzen (oder beides gleichzeitig, die können das, sogar richtig gut), sind für manch einen wohl der Super-GAU.

Etwas Geschichte vorweg: In der Stonewall Bar waren es vor allem Tunten, Drag Queens und Transvestiten, die sich zur Wehr gesetzt haben. Damit wurde eine selbstbewusste und sichtbare Bewegung geschaffen.

Es handelt sich also um nicht weniger als Geschichtsverdrehung, zu behaupten, dass diese uns das Leben schwer machen. Die heutigen CSDs würden ohne sie wohl kaum stattfinden. Im Grunde genommen würde es uns sogar schaden, wenn wir einen Teil „unserer“ Vergangenheit wieder unsichtbar machen würden.

Ich möchte, dass wir – im Alltag durch die Gesellschaft und juristisch vom Gesetzgeber – gleich behandelt werden, aber auch anders sein und bleiben dürfen. Jeder sollte das Recht haben, für sich den Lebensentwurf zu wählen und zu leben, der zu ihm passt und mit dem er oder sie am glücklichsten ist.

Ob offene Partnerschaften oder sexuelle Selbstbestimmung. Ob Tunte, Lederkerl, Diva, unauffällig oder eine bunte Mischung aus alledem. Das Letzte was wir brauchen, ist Akzeptanz durch Anpassung. Denn Vielfalt ist unsere Stärke!

Richtig ist, dass vor allem die großen CSDs sehr kommerzialisiert erscheinen oder auch sind. Aber machen wir uns doch nichts vor. Irgendwie muss man sich finanzieren. Kritisieren kann man natürlich, dass Unternehmen oder politische Parteien für sich werben, die nichts für uns leisten oder sogar gegen uns agieren.

Wer sich nicht für unsere Interessen einsetzt oder wessen Aktivitäten diesen sogar widersprechen, der hat schlichtweg nichts dort zu suchen. Ich bezweifle aber, dass man pauschal gesehen nicht gleichzeitig politisch und kommerziell sein kann.

In Bezug auf den Kommerz dreht sich die Kritik auch darum, dass es vielen nur um eine große Party geht. Aber wieso sollten wir unsere oben genannte Vielfalt nicht feiern dürfen? Wie großartig ist es bitteschön, verglichen mit der Vergangenheit, dass zumindest ein Teil der LGBTIQ* Menschen frei von bestimmten Sorgen ist.

Es ist doch toll, dass Menschen sie selbst sein können, ohne damit automatisch bedrohliche Gedanken zu verbinden. Denn für andere ist diese Art von Gedankengängen leider immer noch Alltag.

Alltag ist für manche LGBTIQ* auch, dass sie bereits einen „Happy Pride“ hatten, wenn sie ihn nur überleben. Ist diese Party, die wir hierzulande feiern, also überhaupt politisch? Oder nur ein Saufgelage, bei dem gevögelt wird? Ich finde wir sollten feiern und – wer es möchte – auch saufen und ficken. Warum? Weil wir es können!

Das ist in diesem Fall kein abgedroschener Satz, sondern tatsächlich eine Begründung. Alleine dass wir in einem Land leben, in dem die Polizei eine solche Demonstration begleitet, statt sie aufzulösen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein hart erkämpftes Gut.

Party kann eben doch politisch sein. Genau dann, wenn Vielfalt, Liebe und das Leben gefeiert werden. Das war vor nicht allzu langer Zeit noch verboten. Wir sind sichtbar. Und Sichtbarkeit ist die Grundlage, auf die vieles aufbaut. Gleichberechtigung. Offenheit. Freiheit. Akzeptanz.

„Ich möchte dass ihr feiert. Oft ist unsere einzige Hoffnung, davon zu träumen, wie es sein könnte. Das macht manchmal traurig. Aber es macht auch Mut. Feiert, weil ihr es dürft. Wir würden es auch tun. Irgendwann werden wir es tun. Vielleicht ja alle zusammen.“

Diese Aussage stammt von einer nigerianischen Freundin von mir. Es ist wichtig die Vergangenheit zu kennen und um die Umstände an anderen Orten zu wissen. Denn dann kommen wir vielleicht auch davon weg, dass einige Personen in gute und schlechte CSD-Teilnehmer*innen oder Communitymitglieder*innen unterscheiden und denen in die Karten spielen, die uns sowieso nicht wohl gesonnen sind.

Bleiben wir also sexy, tuntig, provokativ, spießig und/oder politisch. Seid, wer ihr seid. Denn dies bereichert uns alle. Man muss nicht gleich sein, um gut zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich allen viele tolle Erlebnisse‬. Trefft viele alte und neue Bekannte. Verführt und lässt euch verführen. Genießt die Sonne, die gute Laune, die Liebe und die Freundschaft. Aber vergesst bei alledem nicht die, die es nicht so leicht haben.

Ähnlicher Artikel: Merkels Verlogenheit zur #EheFürAlle bei #NetzFragtMerkel

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Merkels Verlogenheit zur #EheFürAlle bei #NetzFragtMerkel

Angela Merkel spricht davon, dass „wir“ viel erreicht haben. Dabei war es ihre Partei, die das Lebenspartnerschaftsgesetz verhindern wollte und bis heute – in Sachen Gleichstellung Homosexueller – vom Bundesverfassungsgericht vor sich hergetrieben wird.

Am Montag hat YouTuber „LeFloid“ sein Interview mit Angela Merkel veröffentlicht. Es gab leider – obwohl das auch zu erwarten war – keine besonders neuen Erkenntnisse, daher möchte ich mich auf einen kleinen Teil dessen konzentrieren, um den es inhaltlich ging.

Im Interview nimmt dieser Teil etwas mehr als zwei Minuten ein. Wenn in der Kürze die Würze liegt, dann hat sie in diesem Fall bei mir für Magenverstimmung gesorgt, um mal auf bestimmte Bauchgefühle anzuspielen.

In Sachen Ehe für alle sagt Angela Merkel (im Interview ab 4.15) zunächst:

„Ich bin erst mal jemand, der sehr stark dafür ist, dass wir alle Diskriminierung abbauen.“

Diesen Satz hat sie bereits mehrfach gesagt und er war schon immer fragwürdig. Angela Merkel und ihre Partei sind gegen die Gleichstellung Homosexueller. Das ist Diskriminierung. Wobei ich persönlich mich dabei ungern auf die Ehe beschränke. Die fehlende Rehabilitation der Opfer des § 175, zählt für mich dazu. Aber auch der nicht ausreichende Schutz vor Diskriminierung.

Was ich aber viel schlimmer und auch irgendwie dreister finde ist, was sie danach sagt:

„Wir haben ja viel geschafft“

Dabei bezieht sie sich auf die letzten 25 Jahre. Aber Nein! Nicht wir haben viel erreicht und schon gar nicht die CDU oder Angela Merkel!

Was bei den ganzen Debatten um die Eheöffnung auffällt ist, dass ein Großteil der Unionspolitiker*innen darauf verweist, wie angeblich fortschrittlich das Lebenspartnerschaftsgesetz ist. 2001 galt das vielleicht noch, aber sicher keine 14 Jahre später mehr. Heute haben uns viele Staaten, von denen man es damals nicht gedacht hätte, sogar überholt.

Mit diesem Argument wird auch versucht die Gemüter zu beruhigen. Gleiche Rechte stehen euch zwar nicht vollständig zu, aber ein halb leeres Glas könnte man doch auch als halb voll betrachten. Dieser Optimismus geht manchmal so weit, dass einige dieser Gleichstellungsblockierer fast vor Stolz platzen, so toll geht es LGBTIQ* in unserem Land.

Es sind die Parteien CDU und CSU und teilweise auch genau dieselben Abgeordneten, die damals massiv gegen dieses Gesetz gekämpft haben. Sich damit zu schmücken, wie weit „wir“ gekommen sind und so zu tun, als hätte man irgendeinen Anteil daran, obwohl dem nicht so ist, ist ziemlich scheinheilig.

Dasselbe gilt übrigens auch für all die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. In den letzten Jahren war genau dieses der Motor, was die Gleichstellung in Deutschland angeht. Ich bin ziemlich sicher, dass es das weiterhin bleiben wird. Abgesehen von der Behebung kosmetischer Mängel, spielt nämlich auch die SPD in der aktuellen Regierung keine Glanzrolle.

Es wird eine Zeit kommen, in der wird die Gleichstellung Homosexueller so normal sein wie das Frauenwahlrecht. Niemand wird es hinterfragen. Vielleicht werden sich die Menschen nicht mal mehr vorstellen können, wie es heutzutage war.

Wir können uns sicher darauf freuen, dass Politiker*innen, die überhaupt nichts gegen Diskriminierung geleistet haben, sich irgendwann damit brüsten.

Mein Gefühl sagt mir, dass die Kanzlerin überhaupt gar kein Problem mit Homosexuellen, der Ehe für alle und auch dem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare hat. Nach fünf Kölsch – wenn sie geübt ist zehn – würde sie das auch zugeben. Aber auch wenn sie es „nur“ tut, um gewisse Kreise nicht zu verärgern, möchte ich das nicht akzeptieren. Und natürlich muss man sich an seinen Taten messen lassen.

Diskriminierung muss so benannt werden. Wer diskriminiert, soll wenigsten das Rückgrat haben es zuzugeben. Und bitte nicht so tun, als ob er oder sie eine Art Kämpfer*in gegen Ungleichbehandlung sei. Das macht mich persönlich nur noch wütender, weil es unglaublich verlogen ist.

Ähnlicher Artikel: 2015 geht’s um mehr als Eheöffnung!

Lesetipps: Beim Zaunfink habe ich bereits etwas über dieses Thema gelesen. Er hat auch einen Artikel des Tagesspiegel verlinkt, der meinem thematisch ähnelt und detaillierte Hintergründe beinhaltet. Zu guter Letzt hat Merkel auch beim „Bürgerdialog“ etwas zur Eheöffnung gesagt.

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

2015 geht’s um mehr als Eheöffnung!

Islamischer Staat, Boko Haram, EU-Krise, Ukraine-Krise, Nahost-Krise, PEGIDA-Bewegung oder Fanatiker, die zuletzt in Paris gezeigt haben, was sie von unseren Werten halten. All das wird 2015 mit Sicherheit öfter Thema sein. Aber auch was LGBTIQ* (Lesben, Schwule, Bi-, Trans*- und Intersexuelle, Queerpersonen ) Themen angeht wird es ein wichtiges Jahr.

Regenbogen kleinere Größe

Im gerade vergangenen 2014 ist eines aufgefallen: Der Ton wird schärfer. Gleichzeitig werden alte Vorurteile neu und manchmal subtiler verpackt. Hass wird unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit verkauft. Angeblich menschliche Ängste werden als Vorwand benutzt um auszugrenzen.

Unter Adjektiven wie „besorgt“, gehen Eltern und andere Menschen auf die Straße, die gegen sexuelle Vielfalt in Schulplänen sind. Das klingt immer gut. Wir erwarten schließlich von Eltern – eigentlich von der Gesellschaft insgesamt – dass sie sich um den Nachwuchs sorgen. Kinder sind schließlich nicht nur unsere Zukunft, sondern bis zu einem bestimmten Alter schlicht abhängig von Erwachsenen.

Ich bin übrigens auch besorgt. Ebenfalls um die Kinder. Aber aus einem anderen Grund. Ich möchte rufen: „Schützt eure Kinder vor euch selbst!“. Denn was werden diese fühlen, wenn sich herausstellt, dass sie lesbisch, schwul, bi-, trans*- oder intersexuell sind und ihre Eltern gegen die Sichtbarkeit genau dieser Gruppen auf die Straße gehen? Man möchte es sich gar nicht erst vorstellen.

„Sichtbarkeit“ ist übrigens ein gutes Stichwort. Auf ihr baut fast alles auf. Deswegen ist sie so wichtig. Und sollte dort verteidigt werden, wo sie bereits herscht. Dort erkämpft, wo sie noch fehlt. Aber was macht Sichtbarkeit so wichtig?

Nehmen wir Deutschland stellt man fest, dass die Gesellschaft überwiegend für Gleichstellung ist, es herrscht ein offeneres Klima als früher. Auch wenn es natürlich einen Teil Radikaler gibt, die niemals Pro, sonder immer Contra sein werden.

Wenn wir die letzten 20 Jahre anschauen, dann hat sich das nahezu rasant entwickelt. Von der Abschaffung des §175, über die Einführung der Lebenspartnerschaft, bis hin zu aktuellen Diskussionen um die komplette Eheöffnung oder eben die Darstellung sexueller Vielfalt in Lehrplänen.

Der Kampf um Sichtbarkeit und Solidarität, den Aidshilfen, Verbände und Aktivist*innen vor Jahrzehnten kämpften – wofür man heute nur dankbar sein kann – spielt dabei wahrscheinlich die größte Rolle. Sie machten sich bemerkbar, standen für sich und uns heute ein und starteten eine Welle, die 1994 mit der kompletten Abschaffung der Kriminalisierung, also des §175, so richtig Fahrt aufnahm.

Sichtbarkeit sorgt dafür, dass Menschen überhaupt die Möglichkeit haben sich mit einem Thema auseinander zu setzen, es zu verstehen, sich dafür zu öffnen und es schließlich auch zu akzeptieren. Das fällt besonders im Vergleich mit Russland und anderen Staaten auf, die LGBTIQ* durch Verschärfungen von Gesetzen immer weiter in die Unsichtbarkeit drücken. Wer will sich schon dort outen, wo Verfolgung oder Repression die Folge sind?

Was Menschen nicht kennen, lehnen sie oft leider ab. Nicht zwingend, es gibt natürlich zum Glück auch neugierige, offene Leute, aber häufig fällt auch das Gegenteil auf. Dies ist bei uns übrigens nicht anders, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Was Aufgeschlossenheit gegenüber Migrant*innen betrifft, sind Bürger*innen in den Bundesländern mit den höchsten Anteilen an Ausländer*innen am offensten. Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, die dort am meisten Zulauf haben, wo die wenigsten Ausländer*innen leben, lassen grüßen.

Dies ist so, weil Sichtbarkeit und Zusammenleben sensibilisieren und Vorurteile abbauen. Die russische Regierung z. B. unterdrückt in Bezug auf sexuelle Vielfalt diese Möglichkeit mit ihrer Gesetzgebung und Panikmache. Durch staatliche Zensur, auch medialer Form, nimmt sie der Bevölkerung eine wichtige Möglichkeit, das Andere und vor allem die Anderen kennen und akzeptieren zu lernen.

Worum geht es also, wenn Menschen fordern, dass sexuelle Vielfalt nicht an Schulen thematisiert werden darf? Wenn sich wieder Männer und Frauen darüber aufregen, dass „die kleine Minderheit“ an Lesben, Schwulen, Bi-, Trans*- und Intersexuellen zu viel mediale Aufmerksamkeit bekommt, weil es angeblich Wichtigeres gibt? Es geht um die Bekämpfung von Sichtbarkeit. Jene ist – wie gesagt – die Grundlage, auf die vieles aufbaut. Gleichberechtigung. Offenheit. Freiheit. Akzeptanz.

2015 wird der Kampf um diese, für uns hier, aber auch für viele andere Menschen an verschiedenen Orten auf der Welt, weitergehen. Vielleicht ist es der wichtigste Kampf, der seit der Aids-Krise bestritten wurde. Davor habe ich Respekt, weil es um einiges geht. Aber es macht auch Lust auf die Auseinandersetzung, weil sie uns voranbringen kann.

Wir sollten uns mit anderen Minderheiten zusammentun. Migrant*innen, Menschen mit Behinderung oder einfach alle die, die es schwer haben und unter Stigmatisierung leiden. Denn auch für sie gilt Sichtbarkeit als eines der wichtigsten Mittel, um ein realistisches Bild von sich zu zeigen und so auf weniger Diskriminierung zu hoffen.

PEGIDAner*innen greifen nicht nur Ausländer an. Besorgte Eltern nicht nur LGBTIQ*-Personen. Antisemit*innen nicht nur Personen jüdischen Glaubens. Sie alle greifen – weil ihre Parolen nicht selten die Menschenwürde antasten – unsere Verfassung und unsere Werte an. Dagegen müssen wir uns gemeinsam stellen. Laut und vor allem: Sichtbar!

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Die blu-Mediengruppe und der offene Brief… – Die Fortsetzung!

Gestern habe ich einen offenen Brief an die blu-Mediengruppe verfasst. Prompt hat sich auch ein Chefredakteur gemeldet, der weiterhin mit falschen Tatsachen versucht, ein negatives Bild von Migranten zu verkaufen. Die rik hat mittlerweile reagiert: Das Posting ist gelöscht!

Keinen CSD mit Nazis

Ich habe eine Reaktion von Christian Knuth, Chefredakteur, bekommen, auf die ich reagieren möchte, denn die Dinge, die er schreibt, kann und will ich so nicht stehen lassen. Hier seine Aussagen und meine Antworten darauf:

„1. richtig erkannt, wir haben auch in der schwulen Szene ein Rassismusproblem“

Vielen Dank für diese Feststellung!

„2. es hilft nichts, dieses totzuschweigen oder Denk- bzw. Redeverbote zu erteilen, in dem schon die Erwähnung des Problems als Rassismus gewertet wird.“

Niemandem geht es um ein Rede- oder Denkverbot, das habe ich in meinem Text auch nirgends geschrieben. Wie kommen Sie also darauf? Dass das Rassismusproblem thematisiert gehört, erwähne ich ausdrücklich im letzten Teil des Textes! Sie (oder Herr Alp) haben nicht das Problem erwähnt, bzw. vielleicht mit viel Phantasie am Ende, sondern in die gleiche Kerbe gehauen, indem sie auf “Tatsachen” verweisen. Das ist ein großer Unterschied.

„3. bitte checke deine Fakten, bevor du hier journalistische Qualität anmahnst. Die 16% „Nichtdeutsche Übergriffe“ stammen aus der ersten Maneo-Studie 2006/2007 und sind dort nicht abgefragt worden, sondern von den Teilnehmern ungefragt eingetragen worden. Dieses Verhalten überraschte die Macher der Studie, weswegen in der Nachfolgestudie 2008 eine Einschätzung gemacht werden konnte: „Von denen, die sich in ihrer Einschätzung sicher sind, nehmen 16.9 Prozent einen rechtsradikalen Hintergrund der Täter an. 60.4 Prozent der in Deutschland wohnenden Befragten denken, dass es Deutsche waren, folglich vermuten 39.6 Prozent eine nichtdeutsche Herkunft bzw. einen Migrationshin- tergrund bei den Tätern. Die im Bericht zur Vorjahresuntersuchung geäußerte Befürchtung, dass der dort in einer offenen Frage erhaltene Anteil nichtdeutscher Täter mit 16 Prozent der Fälle unterschätzt sein dürfte (vgl. Lippl 2007), kann damit als bestätigt angesehen werden.“

Schön, wie sie die aktuellere Studie zitieren. Leider haben Sie aber behauptet, 40 Prozent der Täter haben einen Migrationshintergrund. Ich frage erneut: Wie kommen Sie darauf? Die einzige Zahl, die im Raum stand, sind die 16% der vorigen Studie, danach eine Vermutung (danke, dass Sie dieses Wort auch selber nutzen) der Folgestudie als Tatsache zu verkaufen grenzt an Dreistigkeit. Vielleicht haben einige der Befragten auch gesagt, dass sie es nicht wissen? Sie behaupten allerdings direkt, dass es sich um Menschen mit Migrationshintergrund handelt.

Zumal die Macher der Maneo-Studie selber schreiben und sagen, dass die Studie wenig repräsentativ ist, weil nach einem “subjektivem Eindruck” gefragt wird. Und: Ich weiß nicht, wie sehr Sie sich mit Studien beschäftigen, aber es gilt nicht nur, dass viele gefälscht sind (“Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast”), sondern auch, dass die Befragten sehr oft das antworten, was man von ihnen erwartet.

Ergo: Wenn Politiker, öffentliche Personen und auch Leute wie Sie davon sprechen, dass “überproportional viele” Täter Migrationshintergrund haben, dann hat dass Einfluss auf die Antworten der Menschen. Ich frage auch hier erneut: Warum schreiben Sie, dass überproportional viele Täter einen Migrationshintergrund haben? Selbst wenn 40% einen Migrationshintergrund haben würden, was ja nur eine Vermutung ist und Vermutungen eignen sich allgemein nicht für Tatsachenbehauptungen, ist das nicht die Mehrheit! Was wollen Sie damit erreichen?

„4. genau diese 39,6 % werden von Gruppierungen wie Pro Köln genutzt, um unterschwellig oder auch ganz offen Angst zu schüren und so Zulauf für ihre „Partei“ zu generieren. Hier muss ein Diskurs geführt werden, denn ein einfaches Wegsperren dieser Gefahr von Rechts führt dazu, dass sich Opfer und Verängstigte unverstanden fühlen und den Parolen viel eher auf den Leim gehen. Das ist der Grund, warum unser Herausgeber in seinem Artikel dazu aufruft, sich gut zu überlegen ob und wie ein Ausschluss sinnvoll durchführbar ist.“

Ja, pro Köln nutzt Angst und Vorurteile, die oft auf Vermutungen basieren, sie fallen drauf rein – Herzlichen Glückwunsch!

5. der Vorwurf, wir würden Migranten als Gegner bezeichnen, ist infam und widerlich

Widerlich ist, dass sie Tatsachen verbreiten, die keine sind und auch selber gerade schreiben, dass es sich lediglich um Vermutungen handelt. Aber selbst diese weisen nicht mal auf eine “überpoportionale Mehrheit” hin.

6. wir sind nicht unpolitisch. Wie queer.de, Siegessäule und weitere sind wir Anzeigenfinanziert. Daraus journalistische Qualität abzuleiten ist schön einfach. Genau so einfach wie Studien nur zu überfliegen oder sich mit Texten eine Minute bzw. bis zum ersten Absatz zu befassen um dann die nächste Sau durchs Dorf zu jagen.

Was politisch ist, darüber kann man streiten. Das was sie da auf Ihrer Seite haben kratzt vielleicht an gewissen politischen Themen, aber nicht mehr. Queer.de und die Siegessäule sind weitaus mutiger und detailreicher, was die Berichterstattung angeht, wenn Sie diese schon als Vergleich wählen. Da wird nicht nur an der Oberfläche gekratzt.

Und: Ich habe die Studien nicht einfach überflogen, auch nicht ihren Text. Wie Sie oben sehen, studiere ich sie anscheinend anders als Sie und (was noch wichtiger ist) hinterfrage Zahlen auch gerne. Sollte man vielleicht öfter mal tun.

Übrigens: Der Text auf der rik-Facebookseite war weitaus schärfer geschrieben, als auf der blu-Seite. Des Weiteren hat irgendjemand von Ihnen aufschlussreiche Kommentare als rik-Seiteninhaber unter den Artikel gesetzt. Nachdem viele Leute sich gegen Ihre Sichtweise gewehrt haben, hieß es, diese haben “Bretter vorm Kopf” oder „wollen die Wahrheit nicht wahr haben“. Wo sind diese Kommentare hin? Warum wurde das gesamte Posting von Ihnen ohne Hinweis gelöscht?

Gerade an den Kommentaren konnte man sehr gut ablesen, was für ein Gedankengut bei Ihnen in der Redaktion herrscht. Sie können mir gerne vorwerfen ungründlich recherchiert zu haben, sie beweisen mit Ihrem Kommentar selber, wer schlecht recherchiert und Zahlen in die Welt trägt ohne die Infos zu prüfen.

Es ist feige, wenn man einfach versucht so zu tun, als wäre da nie etwas gewesen. Angemessen wäre eine Richtigstellung Ihrer angeblichen Fakten, die keine sind. Jetzt die Spuren zu verwischen und zu hoffen, dass Gras über die Sache wächst, macht es nicht besser.

So viel dazu, ich möchte aber noch kurz auf etwas anderes hinweisen, dass nicht mit dem Chefredakteur zu tun hat.

Pro Köln hat gerade eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der quasi steht, dass sie „mit ihren politischen Zielen und Forderungen auch vielen Homosexuellen aus dem Herzen spricht“. Es tut mir fast schon weh, aber ich glaube, es gibt tatsächlich unter uns Menschen, die rassistisch sind oder zumindest Vorurteile befeuern, ohne Fakten dafür in der Hand zu halten.

Zeitgleich habe ich einen anonymen Kommentar bekommen, dass ich, wegen des offenen Briefes, auf „einer schwarzen Liste“ von Rechtsnationalen eingetragen werde. Liebe Nazis, diese Einschüchterungsversuche bringen nichts. Ich habe keine Angst und mache weiter. Egal was kommt!

Pro Köln schreibt in der Pressemitteilung übrigens auch: „Wir stehen erst am Anfang unserer Kampagne…“! Ich antworte: „Ich stehe erst am Anfang meines Widerstandes…“! Wie viele andere auch! Denn die Kommentatoren bei rik, unter meinem Brief, bei Queer.de und anderswo sind zu 95% gegen Rassismus und pro Köln. Super!

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Kein Platz für schwul-lesbischen Rassismus! – Offener Brief an die blu-Mediengruppe

Wie auch mehrere Medien vor ein paar Tagen berichtet haben, hat sich die rechtsextreme Partei pro Köln für den Cologne Pride 2013 angemeldet, was zu kontroversen Diskussionen geführt hat. Soll diese als Teilnehmer akzeptiert werden? Die blu-Mediengruppe, welche die schwul-lesbischen Szenemagazine rik, GAB und blu herausgibt, ist nun auf den Zug aufgesprungen, verteidigt die Teilnahme und macht Stimmung gegen Migranten – So nicht! Ein offener Brief an den Verbund!

mCruise GmbH
z. Hd. Olaf Alp
Rosenthaler Str. 36
10178 Berlin

via E-Mail: info@blu.fm, redaktion.koeln@blu.fm

Sehr geehrter Herr Alp, Sehr geehrte RedakteurInnen der blu-Mediengruppe,

mit Erstaunen habe ich Ihre Reaktion (Info: Die rik hat das Posting entfernt, auf der Seite der blu, gibt es weiterhin einen Artikel, der aber deutlich entschärft ist, was den Inhalt an sich, als auch die Wortwahl betrifft. Warum nur? Das ist feige! Eine Vertuschung des rassistischeren Textes macht die Sache nur schlimmer!)  auf die öffentliche Diskussion zur Teilnahme von pro Köln am Cologne Pride gelesen. Darin schreiben Sie, dass ein Ausschluss der rechtsextremen Partei rein rechtlich ohnehin nicht ohne weiteres durchsetzbar sei. Keine Frage, wir leben in einem demokratischem Staat, der verschiedene Meinungen aushalten muss. Ob und wie man pro Köln ausschließen könnte, das weiß ich nicht, weil ich kein Experte bin und mir die rechtlichen Kenntnisse fehlen, um darüber zu urteilen. Aber: Sollte es eine Möglichkeit geben, einen Ausschluss durchzusetzen, dann hat der Kölner Schwulen und Lesben Tag (KLuST) die Verpflichtung diesen durchzusetzen. Nicht nur, weil rechtsextreme Parteien sicher nicht für die rechtliche Gleichstellung oder gesellschaftliche Akzeptanz von schwulen, lesben, bi und trans* Personen sind, sondern auch, weil sie andere Minderheiten, vorrangig Menschen mit Migrationshintergrund, degradieren und Vorurteile gegen diese befeuern.

Sie schreiben allerdings, dass pro Köln „keine verbotene Organisation und die im Rat der Stadt vertretenen Mitgliedern demokratisch legitimiert“ sind – Richtig. Weiter: „Es offenbart einen geradezu peinlichen Mangel an Rechtsstaatlichkeit, eine Organisation nur deswegen auszuschließen zu wollen, weil einem deren politische Haltung nicht passt.“ – Falsch. Die Partei hat nämlich ein bestimmtes Ziel, welches sie mit ihrer Teilnahme am Cologne Pride verfolgt: Propaganda. Es ist völlig legitim, dass sich der KLuST dagegen wehrt, dieser demokratiefeindlichen und rassistischen Propaganda eine Plattform zu bieten. Zumal die Mitglieder von pro Köln mit einem Gedankengut sympathisieren, dass wir aus der Deutschen Vergangenheit kennen sollten. Damals war es auch keine besonders homofreundliche Zeit.

Den eigentlichen Anstoß für meinen Brief gibt allerdings etwas ganz anderes. Ich erwähnte gerade schon mal die Propaganda, welche pro Köln betreibt. Es scheint, als ob diese auch bei Ihnen wirkt. Wie kommt es dazu, dass sie schreiben „Es ist eine statistische Tatsache, dass überproportional viele homophobe Gewalttäter einen Immigrationshintergrund haben.“ In einem Kommentar auf der Facebookseite der rik schreiben Sie dann sogar, pro Köln sei „im übrigen nicht faschistisch, sondern fremdenfeindlich„. Das macht die Sache natürlich sehr viel besser. (Vielleicht sollte ich die Ironie in diesem Satz besser betonen, damit Sie es nicht falsch interpretieren)

Falsch interpretieren ist übrigens ein prima Stichwort. Sie behaupten, dass die letzte Studie des Antigewaltprojektes „Maneo“ aussagt, dass 40% der (von homophober Gewalt) Betroffenen, den Tätern eine nichtdeutsche Herkunft zuordnen. Glücklicherweise kann man, mit Hilfe diverser Suchmaschinen, sehr schnell auf die Ergebnisse der Studie kommen, die ganz anders lauten: „In 40 Prozent der Fälle haben die Betroffenen einen Einzeltäter identifiziert. (…) Um die Tätergruppen stärker einzugrenzen, wurden die Befragten gebeten, eine weitergehende Differenzierung vorzunehmen. (…) In einem offenen Feld haben dann 16 Prozent als Täter Personen „nichtdeutsche Herkunft“ vermerkt.

Kein Zweifel, homophobe Gewalt muss gestoppt werden. Wir brauchen Präventionsprojekte, Aufklärung und noch mehr, aber ich frage mich schon, wie man von „überproportional vielen homophoben Gewalttätern mit Immigrationshintergrund“ – wobei sie wohl Migrationshintergrund meinten – schreiben kann, wenn es sich um 16 Prozent handelt. Wo überhaupt von 40 Prozent die Rede ist, konnte ich gar nicht feststellen. Wahrscheinlich weil Sie falsch gelesen oder sich diese „Tatsache“ aus den Fingern gesogen haben.

Es gibt übrigens diverse Studien die belegen, dass Menschen mit Migrationshintergrund nicht vermehrt gewalttätig sind. Wenn überhaupt, dann kann man vielleicht davon ausgehen, dass Menschen, die der unteren sozialen Schicht angehören, öfter dazu neigen. Das sind aber bestimmt nicht nur Migranten und ist auch nicht pauschal anzuwenden.

Abgesehen davon, dass man Statistiken vielleicht vorher genauer studieren sollte, bevor man sie nutzt, um eine bestimmte Menschengruppe zu verurteilen, hat schon Martin Niemöller gesagt: „Als sie die Kommunisten geholt haben, hab ich nichts gesagt. Ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten geholt haben, hab ich nichts gesagt. Ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Juden geholt haben,hab ich nichts gesagt. Ich war ja kein Jude. Als sie mich geholt haben, war niemand mehr da der hätte etwas sagen können.

Pro Köln versucht schon seit längerem Minderheiten gegeneinander auszuspielen. Mit Erfolg. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass rechtes Gedankengut und Schubladendenken nicht vor Schwulen und Lesben halt macht. Schon letztes Jahr hat Dr. Daniel K., ein schwuler Lehrer aus Dortmund, mit Pro Köln demonstriert und behauptet, der Islamismus sei die größte Gefahr für uns und der Rechtsextremismus sei doch eigentlich gar nicht so schlimm. Viel eher bestehe ein Problem, wenn wir blind bleiben und uns dieser Problematik nicht bewusst werden.

Gerade als schwuler Mann sollte man doch schnell erkennen, dass Homosexuelle nur als Propagandamittel genutzt werden und aus Sicht der Rechtsextremen auch keine „Extrawürste“, also gleichen Rechte, verdient haben. Schwule und Lesben sind nur so lange gut, wie pro Köln sie nutzen und sie diese für ihre Zwecke instrumentalisieren kann. Im Endeffekt werden wir ebenfalls niedergeschlagen.

Etwas gutes hat Ihre Provokation also: Es wird wieder sichtbar, dass wir innerhalb unserer Community(s) ein Rassismus-Problem haben. Wir gehören einer Minderheit an, die sich gerne mal andere sucht, auf denen sie rumtrampeln kann, um das eigene Selbstbewusstsein zu stärken. Seien es Tunten, HIV-positive, Fetischleute, Behinderte oder eben Migranten.

Die Geschichte von Minderheiten ähnelt sich oft. Von der Unterdrückung und dem Schmerz, zum Selbstbewusstsein und dem Kampf für die eigenen (Menschen)rechte. Gerade wir sollten zusammen stehen, statt unreflektierte Meinungen zu übernehmen und uns gegenseitig in Schubladen zu stecken. Lasst uns die Stärke unserer Vielfalt und der Gemeinsamkeiten sehen, bei allen Unterschieden die es ebenfalls geben mag.

Das gewisse schwul-lesbische Szenemagazine unpolitisch sind, ist die eine Sache, man muss sie ja nicht lesen. Dass Sie nun aber laut schreien, weil wir uns gegen undemokratische Rechtsextreme wehren und behaupten auch diese haben Toleranz verdient, ja die wahren Gegner wären Migranten, ist eine andere, eine ekelhafte, eine widerliche Sache. Das alles noch mit schlecht interpretierten und zitierten Studien. Vielleicht bleiben Sie lieber bei Ihren Modetrends, Einrichtungstipps und Partyauflistungen.

Mit freundlichen Grüßen.

Marcel D.

Update 24.05.2013: Mittlerweile hat sich Christian Knuth, als Chefredakteur, dazu geäußert. Ich habe eben einen zweiten Artikel dazu geschrieben, hier ist es nachzulesen!

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Mitte 2016 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Ich bin privatsexuell!

Wo fängt Privatsphäre an? In der Regel respektiert jeder die Antwort, dass jeder Mensch – ist er nicht gerade Bundespräsident – das für sich selbst beantworten muss. Aber versucht man es in die Praxis umzusetzen… – Ein Gastbeitrag von KWiNK!

Gastautor „KWiNK“

Hier konkret, worum es geht: Eine größere Zahl Menschen (20.000 bei YouTube, weitere 4.500 bei Twitter und 2.500 bei Facebook – das macht mich nicht wirklich prominent, eher milde bekannt mit künstlichem Prominenzaroma, aber immerhin) verfolgen das, was ich im Internet so treibe. Sie stellen mir auch Fragen über das, was ich dort tue, und zu meiner Person. Manche beantworte ich gerne, bei anderen muss ich möglichst freundlich vermitteln, dass das niemanden außer mir und meinem nächsten Umfeld etwas angeht. Letztere Antwort gebe ich auch auf die Frage nach meiner sexuellen Orientierung. Und das überrascht viele.

Im Internet, wo „GAY!“ noch immer als gängige und vernichtende Kritik zählt, halten die meisten User es mittlerweile für völlig selbstverständlich, dass man sich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ganz klar bekennt, ob man schwul, hetero, bi, trans oder was auch immer ist. Schließlich ist das ein ziemlich elementarer Teil der Identität. Man sollte doch stolz darauf sein. Oder wie oder was?

Nein, sage ich. Ist es nicht und bin ich nicht. Weil es in meinen Posts und Videos nicht um meine sexuellen Erlebnisse und Bedürfnisse geht. Weil ich 99% der Leute, die sich für das, was ich online mache, interessieren, nie im wahren Leben treffen werde und mit noch sehr viel weniger, wenn überhaupt, werde ich ins Bett gehen oder woanders Nackt-Artistik praktizieren. Welchen Unterschied macht es demnach, was für Menschen mich anziehen? Und überhaupt, warum sollte ich stolz auf die Veranlagung sein, mit der ich geboren wurde?

Der Punkt ist, dass die User noch immer gewisse Wertevorstellungen mit der Sexualität eines Menschen verbinden. Wenn sie wissen, ob ich in diese oder jene Richtung tendiere, können sie mich einordnen, mir ein weiteres Etikett aufkleben und sehen meine Videos oder lesen meine Posts in dem Wissen, dass ich das als Homo-/Hetero-/Bi-/Trans-/Irgendwassexueller von mir gebe. Die einen werden mich deswegen weniger hoch ansehen, einige vielleicht sogar verachten (Grüße an jenen Menschen, der mir schrieb, ich müsse mir Hilfe suchen und mich von meiner Homosexualität heilen lassen), wieder andere werden sich in ihrer Toleranz sonnen, dass sie die Videos dieses anderssexuellen anschauen und Freunden gegenüber sagen können: „Ist ja nichts dabei.“

Diese Befriedigung gebe ich den Leuten aber nicht. Weil es nicht wichtig ist, was ich bin, sondern was ich sage. Könntet Ihr, wenn ich mit Euch rede, bitte in meine Augen und nicht auf meinen Penis schauen? Tausend Dank.

Meistens stoße ich damit zumindest vordergründig auf Verständnis. Die Antwort, ich würde meine Sexualität nicht öffentlich machen, weil zu viele Leute da Wertvorstellungen mit verbinden, beendet meist Diskussionen. Den Folgekommentar „Wenn du es nicht sagst, bist du also schwul!“ kenne ich allerdings auch. Das sind die Leute, die noch immer denken, Schwule, Bis und Transen hätten Grund, sich zu verstecken. Und es könne keine Heterosexuellen geben, die jeden Verdacht der Homosexualität nicht sofort weit von sich wiesen (wie der oben Gegrüßte, dem ich, außer dass ich mich nicht festlegen wollte, keinen Anhaltspunkt gegeben hatte, dass ich schwul sein könnte). Genau die verkrusteten Rollenbilder, die ich zu boykottieren versuche.

Diese Leute enthüllen mir aber in der Regel mehr über sich, als ich ihnen von mir preisgebe. Für solche Leute habe ich mir noch eine Antwort angewöhnt. Wenn jemand unter eines meiner YouTube-Videos „GAY!“ schreibt, antworte ich mit „Homophob!“ Wer von uns hat das Problem? Nuff said.

KWiNK, 18. Januar 2012