Regenbogenkick: Der alljährliche Anti-Homostigma-Rage

Wenn mich jemand homophob anmacht, dann gibt es ab sofort einen Regenbogenkick. Das gilt auch für Homohasser in den eigenen Reihen, die sich wegen dem bisschen „Straight Acting“ oder weil sie „Heterolike“ sind für etwas Besseres halten.

Anti-Homostigma-Rage

Mäuschen, ich habe in der Theater-AG immer ein „Sehr Gut“ bekommen. Gut, einmal habe ich eine Tunte gespielt, was meinem Naturell sehr entgegen kam. Mein Talent reichte aber weit darüber hinaus. Wenn ich wollte könnte ich mich auch „Hetero verhalten“. Ich will es aber nicht. Denn spätestens wenn ich einen Schwanz lutsche oder gefickt werde, falle ich als das auf, was ich bin: Schwul. Queer. Ein Mann, der Männer begehrt.

Du bist allerdings auch nicht unschwuler, nur weil du rein aktiv bist. Wir werden nicht erst schwul oder zumindest gay-curious, wenn ein Schwanz uns mit aller Kraft zeigt, dass die Prostata ein Zentrum des Lusterdbebens sein kann. Der Glaube, die sexuelle Rolle macht dich männlicher oder weiblicher, ist nicht mehr als das Hereinfallen auf alte Geschlechterklischees.

Ich habe als passiver Part schon Männer gefickt, ohne das sie es merkten. Wer sich fallen lässt und der Leidenschaft den Handlungsstrang überlässt, der fickt den anderen. Egal ob aktiv oder passiv. Noch besser fand ich es, wenn beide (oder alle die halt dabei sind) sich gleichzeitig darauf einlassen konnten. Dann wurde es so gut, dass ich nicht selten für diese Momente all die Scheiße vergaß, die das „anders sein“ oft mit sich bringt. Ich war glücklich. Denn meine sexuelle Leidenschaft unterscheidet sich zwar von jener der Mehrheit, ich habe aber das Glück meine Bedürfnisse zu erkennen und den Mut sie auszuleben. Es ist diese Mischung aus Glück und Mut, die selten (ganz ist wohl niemand davor gefeit) dazu führt, dass ich andere abwerten muss, um mich selbst besser zu fühlen.

Letztens wollte mich ein Typ ficken, der sich als sehr männlich und aktiv inszenierte. In seinem Profil stand, dass er sehr häufig von „den Boys“ bestätigt bekommt, wie gut er im Bett sei. „Super Voraussetzungen“, war mein Gedanke. Erfahrung und positive Bewertungen schaden ja nie. Er fragte mich, ob ich denn öfter Sex habe. Ich war ehrlich, schließlich chatteten wir Samstag Nacht. Keine Uhrzeit, zu der ich mit dem Onlinestatus „Beziehung“ auf die Suche gehe. Woraufhin er mir mitteilte Nutten nicht ausstehen zu können. Nun ja, mein Interesse an einer (aktiven) Nutte, die ihre Doppelmoral nur auf das Gegenüber anwandt, schwand schnell.

Es ist ein ähnlicher Mechanismus, der hier eintrat. Schwul ist nur, wer sich ficken lässt, weil das angeblich der weibliche Part ist. Eine Nutte ist höchstens der, der sich ficken lässt, weil das angeblich der weibliche Part ist (und wir alle wissen ja, dass Frauen dadurch zu Schlampen werden, was Männer zu Helden macht). Die Wahrheit aber ist, dass du genauso schwul bist. Und dass es deine Unsicherheit ist, die dich auf der Suche nach dem „heterolikem“ Strohhalm einholt.

Weniger unsicher waren diejenigen, welche in der Christopher Street vor dem Stonewall Inn 1969 den Aufstand probten. Es waren vor allem Tunten, Drags, Trans*personen und lesbische Frauen die den Satz „Stonewall was a riot“ mit Leben füllten. Sie lebten ein queeres, ein anderes Leben, als es noch mit Razzien, Strafverfolgung und massiver gesellschaftlicher Verfolgung einher ging. Mir geht es nicht darum, die heutigen Schwierigkeiten queerer Menschen zu relativieren. Mir ist aber wichtig, dass wir – gerade wo man immer häufiger auf Tuntenhass und die Sehnsucht nach Anpassung stößt – nicht vergessen woher die Lorbeeren kommen, auf denen wir sitzen. Wer sich nicht auf ihnen ausruhen, sondern weitere ernten will, kommt nicht drumherum Zukunft auch durch Erinnerung zu schaffen. Das geht nur gemeinsam und es geht nur, wenn wir alle mitnehmen, die unsere „Community“ ausmachen.

Vielleicht kommt es jetzt sehr überraschend, aber: Ich war selbst lange homophob. Ich kenne die Hintergründe und den Wunsch endlich so zu sein, wie die anderen. Aber dieser Wunsch wird ein Wunsch bleiben. Ich habe so lange nach unten getreten, bis ich keine Kraft mehr hatte. Denn ich wurde abhängig vom Treten, um mich selbst ertragen zu können. Das Glück aber wartet dort, wo wir das Unveränderbare annehmen. Wir sind nicht gleich. Aber wir sind dennoch gut. Denn man muss nicht gleich sein, um gut zu sein. Gleichbehandlung sollte und wird auch eines Tages ohne Gleichheit möglich sein.

Oft höre ich von der einen Seite, dass „Tunten, Schrille und Freaks uns schaden, weil wir anders behandelt werden, sobald wir uns so verhalten“. Die andere Seite behauptet, dass „Spießer Feiglinge seien, die sowieso nicht für die Emanzipation tun“.
Warum kann das eine nicht mit dem anderen funktionieren kann? Wer Klischees erfüllt, der hat genauso ein Recht darauf Teil der Gesellschaft, wie alle, die es nicht tun. Wir müssen Klischees weder widerlegen, noch erfüllen. Beides schadet niemanden, also sollte beides keinen Anlass bieten es jeweils negativ zu bewerten. Ist die Voraussetzung für Akzeptanz, dass kein Klischee erfüllt werden darf, dann handelt es sich vielleicht gar nicht um solche. Andersherum darf jeder sein „spießiges“ (ich nutze es als neutrale Beschreibung) Leben führen. Es macht die Freiheit aus, dass jeder er selbst sein kann, solange er niemand anderes verletzt. Das gilt immer in beide Richtungen.

Mein Wunsch sind CSDs, an denen Normalos, Spießer, Tunten, Freaks, Twinks, Daddys, Lesben, Drags, Schwule, Bis, Fetischgruppierungen, Bären, Butches, Femmes, Trans*, Inter* sowie alle die ich jetzt nicht explizit nenne oder bei denen sich einige Zuschreibungen mischen, nebeneinander feiern und demonstrieren. Bitte ohne sich gegenseitig Schuldzuweisungen zu machen. Das hilft nur denen, die uns allen nicht wohlgesonnen sind.

Happy Pride! 

Offenlegung: Der Autor war auch schon mal aktiv. Er hat den anderen dabei aber nicht gefickt. Die Leidenschaft fehlte.
Abschließend: Ich spreche viel über Abwertung und mein Text klingt an einigen Stellen selbst nach welcher. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich nichts gegen aktive Nutten (im Gegenteil, hahaha, omg, lol) habe. Auch nichts gegen jene, die einem männlichen Bild entsprechen. Ich kritisiere nicht ihr Sein, sondern ihr – damit auch indirekt mein früher eigenes – abwertendes Verhalten.

Dieser Text wurde zuerst am 19. Juni 2017 auf meiner Facebook-Seite veröffentlicht. Es ist mein bis dahin am meisten gelesener Post. Daher dachte ich, dass es sich auch lohnt, ihn  – auch aus Anlass des kommenden ColognePride-Wochenendes – hier noch mal zugänglich zu machen.

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LSBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

 

Rehabilitation der §175-Opfer: Generationenübergreifende Geschichte geschrieben!

Das Bundeskabinett beschloss heute, die Opfer des § 175 zu entschädigen. Die Zustimmung des Bundestags ist nur noch formeller Natur. Damit erfahren nicht nur jene Gerechtigkeit, die verurteilt wurden oder unter dem Klima des sogenannten „Schwulenparagraphen“ litten. Es hat auch Bedeutung für die Freiheit der heutigen, jüngeren Generation. Denn es gibt keine geteilte Freiheit.

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Offene Rechnung: Die Kampagne zu Rehabilitation und Entschädigung von §175-Opfer der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren.

Hiermit wird Geschichte geschrieben

2001 bemerkte ich gerade „irgendwie anders“ zu sein. Damals konnte ich dieses Gefühl aber nicht definieren. Mit 11 Jahren hatte das Wort „schwul“ erst mal noch nichts mit mir zu tun. Deswegen habe ich die damalige Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes auch nicht wirklich wahrgenommen.

Die heute im Kabinett beschlossene Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer des
§ 175 hingegen, ist auch für mich (obwohl ich seit Jahren aktivistisch unterwegs bin) ein Gänsehautmoment. Erstmals habe ich das Gefühl, einen historischen Moment, was LSBTIQ*-Politik in Deutschland angeht, hautnah mitzuerleben. Denn hiermit wird Geschichte geschrieben.

Eine Geschichte, die von vielen Verbänden, z. B. der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren, der Deutschen AIDS-Hilfe oder dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, den dort engagierten Menschen, aber auch Aktivist*innen von außerhalb geschrieben wurde. Sie handelt von Unrecht, welches in der Vergangenheit geschehen ist und erst 1994, durch die komplette Abschaffung des § 175, gestoppt wurde. Dennoch hat diese Geschichte auch mit jenen zu tun, die ohne diesen Straftatbestand aufgewachsen sind.

Nur eine Gesellschaft, in der alle ihre Rechte erhalten,
ist eine Gesellschaft, 
von der wir alle profitieren

Für mich war es nicht immer ein wichtiges Anliegen, auch für Andere einzustehen. Lange habe ich egoistisch nur eigene Probleme, selbst erlebte Diskriminierung und politische Forderungen, von denen ich persönlich profitiere, in den Blick genommen.

Dabei darf man jedoch eines nie vergessen: Nicht wir haben über unsere Hautfarbe, unsere Herkunft, unseren Körper, unsere sexuelle/geschlechtliche Identität, den Ort oder den Zeitpunkt unserer Geburt entschieden. Es war Glück. Das ist kein Verdienst. Dies bringt die Pflicht mit sich, auch ein Auge auf die zu werfen, die dieses Glück nicht hatten.

Gemeinsam mit ihnen sollten wir für sie und gleichzeitig uns kämpfen. Denn nur eine Gesellschaft, in der alle ihre Rechte erhalten, ist eine Gesellschaft, von der wir alle profitieren.

Die Betroffenen waren schon immer Opfer und noch nie Täter

Für die noch lebende Vorgeneration schwuler Männer freue ich mich. Natürlich für die, welche verurteilt wurden und die nun eine Chance auf Rehabilitation und Entschädigung haben. Aber auch jene, solche „nur“ im Klima, dass der §175 schaffte, aufgewachsen sind. Denn auch ohne Verurteilung hatte dieser Paragraph Einfluss auf Leben, Gefühle und Karrieren vieler dieser Menschen.

Natürlich kommt es für zahlreiche von ihnen, die bereits verstorben sind, zu spät. Es ist jedoch wichtig, dass einige noch miterleben können, wie das Unrecht als solches benannt und aufgehoben wird. Denn sie waren schon immer Opfer und noch nie Täter.

Es gibt keine geteilte Freiheit

Ihre früheren Kämpfe führten sie auch für uns heute. Unsere heutigen Kämpfe führen wir deswegen auch für sie. Es gibt keine geteilte Freiheit, einerseits die unsere und andererseits die ihre. Die eine ist stark mit der anderen verbunden. Das gilt übrigens auch für LSBTIQ*-Rechte weltweit.

Danke an alle, die sich jahrelang für diesen Moment eingesetzt haben. Ihr habt Geschichte geschrieben. Herzliche Glückwünsche an alle, die, wenn auch späte, Gerechtigkeit erfahren. Ihr habt es verdient! ❤

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LSBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Mr. Gay Germany ist nicht Manns genug…

Pascal aus München ist Mr. Gay Germany. In Kommentaren wird er als als Milchbubi, zu jung und zu wenig Mann bezeichnet. Das ist nichts anderes als Bodyshaming und Altersdiskriminierung, von denen nicht nur ältere und/oder fülligere Menschen betroffen sind.

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Mr. Germany 2016: Pascal aus München. (Foto: https://facebook.com/mrgaygermany)

Schönheit ist subjektiv

Die Attraktivität einer Person kann ich erst einmal nur für mich beurteilen. Selbst die gesellschaftliche Vorstellung von selbiger unterliegt dem Wandel der Zeit. Gewinner*innen von Schönheitswettbewerben sind also einerseits das Spiegelbild eines derzeit geltendes Ideals. Andererseits angewiesen darauf, dass sie den individuellen Nerv und Geschmack der jeweiligen Jury treffen.

Offensichtlich ist das dem 21-jährigen Pascal aus München bei der Wahl zum „Mr. Gay Germany“ gelungen. Am vergangenen Wochenende kürte ihn die Jury in Köln zum Sieger des diesjährigen Wettbewerbs. Neben seiner Optik, kam scheinbar auch seine Kampagne „Don’t hide“ gut an, jene sich um Anlaufstellen in Schulen und Jugendzentren für LSBTIQ*-Jugendliche (Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queere) dreht.

Das dies für Pascal kein Modethema ist, beweist er allein durch sein Engagement als Gruppenleiter in Münchens queerem Jugendzentrum „diversity“. Hier bringt er sich bereits seit 2 1/2 Jahren aktiv ein.

Ein Milchbubi ohne Ausstrahlung und Lebenserfahrung

Zugegebenermaßen erfuhr ich eher durch Zufall von Pascals Erfolg. Das Ergebnis war Teil der Kategorie „Bild des Tages“ auf dem Nachrichtenportal Queer.de, welches ich regelmäßig besuche. Ohne die anderen Kandidaten und ihre Inhalte zu kennen, gefiel mir der Einsatz des Gewinners für junge LSBTIQ*.

Unter dem Artikel und auf Facebook konnte man verschiedene Kommentare zum Sieg von Pascal lesen. Mich wundert es natürlich nicht, dass ein Wettbewerb, in dem es auch (vielleicht sogar vor allem, das kann ich nicht beurteilen) um Aussehen geht, ein Echo hierauf erzeugt. Die Themen ähneln sich sehr.

Alter.

„Ich bin dafür, dass eine Mindestaltersgrenze von 30 eingeführt wird. Dann hat das wenigstens was mit Mann zu tun, hat genug Lebenserfahrung und bringt genug Ausstrahlung mit!“

Körperbild.

„Zu jung….Zu dünn….Zu wenig Mann“

Mangelnde Männlichkeit.

„Was für ein Schönling, ein Mann ist das nicht“

Diese drei Aussagen sind nur Beispiele für zahlreiche Reaktionen. Immer wieder dreht es sich darum, dass ein Mr. ein Mann sein muss, der Sieger keiner sei und sein Aussehen sowie Alter ihn sowieso bei den Schreibenden durchfallen lassen.

Bezüglich des Alters bin ich fair. Ich würde auch die Organisator*innen der Mr. Gay Germany Wahl, die nur Kandidaten bis 40 Jahren zulassen, gerne mal auf einen Trip durch die Kölner Altstadtszene und über ihren Horizont mitnehmen. Dort gibt es Paradebeispiele von Sexiness über alle Körperbilder und Altersklassen hinweg. Apropos, bald ist wieder Bear Pride in Köln. Die Zeit im Jahr, in der ich besonders viel und erfolgreich flirte.

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Die Szene ist nicht frei von Lookism

Lookism nennt man es, wenn Aussehen ein Indikator für den Wert einer Person ist. Diejenigen, welche bestimmte Vorstellungen von Attraktivität nicht erfüllen, wertet man verbal oder körperlich ab. Das ist an vielen Stellen Alltag. Die Szene kann hier nicht als Ausnahme betrachtet werden. „Keine Tunten, Fetten, Alten, Schwarzen und Asiaten“ oder „Schau in den Spiegel, bevor Du mir schreibst“, stehen in nicht wenigen Profilen auf Datingplattformen wie Gayromeo oder Grindr.

Ich hab in den Spiegel geschaut. Fand mich ganz annehmbar, deswegen weiß ich aber nicht automatisch, ob dies auch Deinem Geschmack entspricht. So richtig (!) tuntig werde ich nach zwei Kölsch (vorher vielleicht in unbeobachteten Situationen). Wie hoch jedoch Deine Testosteronlatte liegt und ob ich ihr gewachsen bin? Gute Frage…

Bodyshaming ist in alle Richtungen möglich

Bemerkenswert viele Menschen erteilen solchen Ansagen mittlerweile eine Absage. Es ist weitgehend Konsens, dass die Abwertung aufgrund von Körperform, Kilozahl oder Gesichtszügen keine akzeptable Sache ist. Dachte ich zumindest.

Philipp Kienzl beschrieb im Juli 2016 auf Ze.tt, mit welchen Bezeichnungen für seinen Körper er sich auseinandersetzen muss. Wir alle haben schon hunderte Artikel darüber gelesen, wie sich fülligere Personen zur Wehr setzen. Philipp allerdings gilt als das Gegenteil. Ihm wird oft Untergewicht vorgeworfen, weshalb man ihn als „Zahnstocher“, „Lauchstange“ oder „Spargeltarzan“ bezeichnet. Klingt lustig, beleidigt ihn aber.

Ebenso wie man niemandem „Fleischwalze“, „Schwabbelbacke“ oder „Adipösi“ an den Kopf werfen sollte, versteht sich dies umgekehrt. Dünne Zeitgenossen sind kein Freiwild, die vermeintliche Scherze oder Beleidigungen über sich ergehen lassen müssen.

Wie wäre es also, wenn man jenes Phänomen auf die aktuelle Mr. Gay Wahl überträgt? Stellen wir uns vor, ein älterer, beharrter Bär hätte den Titel ergattert. Ein Mannsbild, für das der Begriff „Straight Acting“ oder der Ausruf „Woof“ quasi erfunden wurden. Manche Leute hätten den „Opa“ ausgelacht oder sich über den „fetten Körper“ echauffiert.

Darauf wären zurecht die Vorwürfe des Bodyshamings und der Altersdiskriminierung erhoben worden. Andersherum, sobald jemand als Milchbubi bezeichnet wird, handelt es sich ebenfalls darum. Es ist Abwertung einer Person und in dem Falle sogar ganzen Gruppe, behauptet man, erst ab 30 könnte ein Mann ein Mann sein, Lebenserfahrung besitzen und Ausstrahlung haben.

Hier werden im Übrigen heteronormative Stereotype übernommen, die auf Geschlechterrollen aufbauen. Es sind dieselben Argumente, die viele Homophobe nutzen. Auch sie wollen keine „verweichlichten“, sondern nur „richtige“ Männer akzeptieren. Wo das Problem liegt, beide Arten von Männern (und Frauen) nebeneinander existieren zu lassen, konnte mir noch niemand plausibel erklären.

Mir ist dieses Vorurteil bewusst, junge Menschen, vor allem junge schwule Männer, seien immer total von ihrer Attraktivität überzeugt und gehen entsprechend arrogant mit anderen um. Es gibt jedoch genügend von ihnen, die sich aus den verschiedensten Gründen nicht wohl in ihrer Haut fühlen. Deine Worte prallen also nicht an einer Wand ab, sondern verletzen möglicherweise. Es ist nicht zu viel verlangt, sich darüber Gedanken zu machen.

Die Mr. Gay Germany Wahl ist kein spezieller Fall, in dem Höflichkeit und Respekt nicht zählen

Darf es denn im speziellen Fall der Mr. Gay Germany Wahl, nicht auch eine spezielle Reaktion geben? Nehmen wir an, jemand, der es sonst nie tun würde, macht abfällige Bemerkungen über das Aussehen von Pascal. Mit der Begründung, dieser Stelle sich ja einem Wettbewerb, in dem es vorrangig um die Optik geht. Also müsse er auch damit leben, dass er manchen eben nicht gefällt.

Nein, das kann keine Begründung sein. Wir müssen alle akzeptieren, nicht den Geschmack jeglicher Menschen zu treffen. Optisch oder zwischenmenschlich. Es gibt aber einen großen Unterschied, zwischen nicht gefallen und herabsetzen. Im Endeffekt geht es um das äußern einer Ich-Perspektive, die niemand pauschalisieren kann.

Mir hätte (äußerlich) ein anderer Typ Mann als Mr. Gay Germany mehr zugesagt. Dennoch wurde von anderen entschieden. Die eben genauso ihre eigene subjektive Wahrnehmung haben. Wer das versteht und akzeptiert, dem fällt auch leichter, trotzdem Glückwünsche an Pascal zu senden.

Auch an Orten, wo es um Sexualität und körperliches Begehren geht, sollte eine faire Atmosphäre herrschen. Im Cruisingclub wird es auch nicht akzeptiert, Leute zu beleidigen, die unseren ästhetischen Nerv nicht treffen, nur weil dort das Aussehen eine wichtige Komponente spielt. Selbst will man so ja auch nicht behandelt werden.

Jede*r hat das Recht auf einen eigenen Geschmack. Aber niemand besitzt ein Recht, die Mitmenschen deswegen abzuwerten

Natürlich kann man, ganz unabhängig der Mr. Thematik und auf allgemeiner Ebene gesehen, argumentieren, dass sexuelle und optische Vorlieben Geschmackssache sind. Jede*r hat das Recht auf einen eigenen Geschmack. Aber niemand besitzt ein Recht, die Mitmenschen deswegen abzuwerten. Ich ficke auch nur mit Leuten, die mir gefallen. Der Unterschied ist, dass ich den Fokus genau darauf lege.

Manche Profiltexte lesen sich so negativ. Es stellt sich die Frage, ob diese Personen bei der Bestellung im Restaurant aufzählen, was sie alles auf gar keinen Fall bekommen möchten, geschweige denn essen würden. Es reicht doch völlig aus, die Speisen zu wünschen, welche einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Das Sexleben wird auch nicht besser, wenn ich mich ausführlich mit allem was mich abturnt beschäftige.

Nicht auszuschließen ist, dass sich jemand bei Dir meldet, der nicht in Dein Raster passt. Das kann jedoch ebenso passieren, obwohl er Deinen theoretischen Wünschen nach Alter, Bartwuchs, (Schwanz)Größe und Haarfarbe entspricht. Manchmal passt es nicht. Ein einfaches „Du bist nicht mein Typ“ hilft an dieser Stelle. Es erfüllt seinen Zweck, ganz ohne irgendwen zu verletzten.

Wo liegt eigentlich das Problem, wenn Du eine Nachricht von einer für Dich unattraktiven Person bekommst? Warum greift es Dich so an? Weil er glaubt, bei Dir eine Chance haben zu können, während Du in einer soooo viel höheren Liga spielst? Sieh es positiv: Jede Nachricht ist ein Zeichen Deiner unfassbaren Attraktivität. Auf dieses Kompliment darf man guten Gewissens höflich reagieren.

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00 Januar 2016

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Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Keine Alternative für Deutschland und Homosexuelle!

Immer mehr Schwule und Lesben machen sich mit der Alternative für Deutschland und ihren Positionen gemein. Doch diese Alternative ist keine für Deutschland und auch nicht für Homo-, Bi-, Trans-, Intersexuelle oder andere Minderheiten. Ein Kommentar, der vor den gestrigen Landtagswahlen entstand, aber durch deren Ergebnisse noch an Aktualität gewonnen hat.

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Es gibt tatsächlich immer mehr Schwule und Lesben, auch in meiner Facebooktimeline (warum funktioniert die Filterbubble eigentlich nicht, wenn es nötig wäre?), die sich mit der Alternative für Deutschland und ihren Positionen gemein machen. Da heißt es dann oft, dass diese Partei die einzige sei, die „uns“ vor homophoben Moslems schützt. Zuletzt gelesen in einem SPIEGEL ONLINE-Interview mit Mirko Welsch, dem Bundessprecher der „Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD“.

Betrachten wir doch zuallererst einmal die Ironie, dass man eine Partei dafür lobt gegen Homophobie zu kämpfen, die in den eigenen Reihen genug Homophobe vorweisen kann. Nicht nur an der Basis, sondern auch in Schlüsselpositionen. Beatrix von Storch, die stellvertretende Parteichefin und Berliner Vorsitzende, ist hier nur ein Beispiel. Diese ist (übrigens gemeinsam mit ihrem Mann Sven von Storch) Vorstand des Vereins „Zivile Koalition e.V.“. Dieser wiederrum ist u. a. Träger der „Initiative Familienschutz“, die unter Federführung von Hedwig Freifrau von Beverfoerde die „Demo für Alle“ organisiert.

Die „Demo für alle“ – freilich ein absurder Name, wenn man gegen die Akzeptanz von Minderheiten kämpft – setzt sich für einen Stopp der Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder ein. Deswegen bekämpft sie unter anderem die Darstellung sexueller Vielfalt an Schulen, welche ungefähr genauso viel mit Frühsexualisierung zu tun hat, wie die aktuelle Politik der CDU links ist.

Dieser Kampf gegen Frühsexualisierung und Gender-Ideologie, betrifft alle jungen Menschen, die auf der Suche nach ihrer Identität sind. Ihnen wird erschwert, sich und all die Veränderungen – die man eben irgendwann im frühen Alter mitmacht – richtig einzuordnen, weil kein offener Umgang mit Sexualität, dem Wandlungsprozess des eigenen Körpers und erstmalig auftretenden „neuen“ Gefühlen möglich ist.

Sexuelle Minderheiten leiden hierunter besonders, weil sie oftmals keine Menschen kennen, zumindest nicht bewusst, die ähnlich fühlen. Wo der persönliche Austausch fehlt, ist zumindest der im Unterricht – begleitet durch erfahrene Pädagogen oder Aufklärungsprojekte wie SchLAu NRW – eine Möglichkeit zu helfen. In diesem Zusammenhang ist auch immer wieder hervorzuheben, wie wichtig Sichtbarkeit ist, um Ausgrenzung vorzubeugen.

Zwar behaupten die Organisator*innen der „Demo für Alle“ sehr beharrlich, dass sie überparteilich seien und mit der AfD nichts zu tun haben. Dennoch hat selbst Beatrix von Storch im Hamburger Wahlkampf ganz offen über ihre Involvierung in die Aktionen des Bündnisses gesprochen, wie queer.de berichtet. Vielleicht ist mit überparteilich aber auch einfach gemeint, dass der CDUler Guido Wolff ebenfalls ein Unterstützer ist.

Auch andere Menschen innerhalb der Partei machen durch Interviewäußerungen und fragliche Aktionen, ihre Position gegenüber sexuellen Minderheiten deutlich. So wollte die thüringische AfD-Abgeordnete Corinna Herold von der Landesregierung wissen, wie viele Homo-, Bi- und Transsexuelle in dem Bundesland leben. Das erinnert an bereits vergangene Zeiten, in denen die Registrierung selbiger normal war.

Unabhängig von diesen Menschen, lebt die AfD davon, vermeintlich einfache Lösungen auf komplexe Probleme zu geben. Sie lebt davon, bestimmte Gruppen verantwortlich zu machen und in Sippenhaft zu nehmen. Es würde nur ein Problem geben, wenn sich das Thema um Flüchtende und Migrant*innen „erledigt“ hätte. Schnell würde spürbar: Soziale Ungleichheit verschwindet nicht, wenn „die Ausländer*innen“ weg sind. Genauso wenig wie (an vielen Stellen strukturelle) Homophobie oder die Unzufriedenheit über eigene Lebensumstände.

Hier müssen die etablierten Parteien sich schon fragen, ob eine gerechtere Politik, die Diskriminierungsschutz und Gleichstellung für alle Menschen beinhaltet, nicht eine langfristige Antwort auf Parolen bietet, die Effekthascherei gleichkommen. Stattdessen schlagen viele Teile der Altparteien in die gleich Kerbe, indem sie eine Reduzierung der Zahlen an Flüchtenden als große Oberlösung verkaufen. Eine Einigung mit Europa zur Verteilung von Flüchtenden, mag ein Puzzleteil sein. Alleine wird aber auch dies keine Dauerlösung. Denn die „Sorgen der Menschen“, von denen oft gesprochen wird, liegen tiefer. Nicht umsonst gibt es immer mehr Nichtwähler*innen.

In den Medien ist sehr häufig die Rede davon, dass die Thematik um Flüchtende der AfD in die Karten spielt. Aus meiner Sicht ist es eine Kombination aus sozialer Ungleichheit, einer oft nicht greifbaren Unzufriedenheit mit dem eigenen Status und dem Gefühl, dass man nun auch noch mit neuen Mitbürger*innen „konkurrieren“ muss. Flüchtende dienen nun als Ventil und lösen einen Argwohn gegenüber „Fremden“ aus, bzw. verstärken diesen, denn er ist ja nicht einfach so vom Himmel gefallen. Das sagt aber meist weniger über die Flüchtenden und dazugehörige Vorurteile aus, sondern mehr über jene, die ganz vorne bei der Ausgrenzung dabei sind.

Gäbe es keine Flüchtenden mehr oder zumindest so viele weniger, dass nicht mehr von einer „Krise“ gesprochen werden kann, dann bliebe eine Leere. Das entstehende Vakuum müsste irgendwie wieder ausgefüllt werden. Mit den nächsten Sündenböcken. Es braucht eine Zielscheibe. Der Fokus verschiebt sich. Niemand kann sagen, dass Homo-, Bi-, Trans-, und Intersexuelle dann nicht plötzlich (noch mehr, sie tun es ja schon, wie oben beschrieben) im Spotlight stehen werden. Natürlich gilt das auch für andere Minderheiten.

Die AfD spielt damit, dass sie die Partei ist, die die „alten Werte erhält“ und befriedigt damit die Sehnsucht derer, die Angst vor Veränderung haben. Wir alle haben unsere Ängste und Sorgen im Leben. Wer aber mit dem Finger pauschal auf Schwächere zeigt, der ist nicht besser als die, die „uns“ verantwortlich machen, wo wir es nicht sind. Die Eheöffnung schadet auch keiner Familie. Unsere Sichtbarkeit keinen Kindern. Solche Argumentationen sind also ähnlich schlüssig, wie gewisse Ressentiments gegen Flüchtende.

Sie bietet also als Partei keine Alternative, in Form von vernünftigen Lösungen, für all das, was sie kritisiert. Schön beschrieben, was ihre Positionen für alle (nicht nur Minderheiten) bedeutet, ist das auf dem Campact Blog. Da hilft eben nur Ablenkung durch Stimmungsmache. Schaut auf die anderen. Dann schaut ihr nicht auf euch und auch nicht auf uns. So fällt gar nicht auf, wie viel heiße Luft zwischen den laut und aggressiv gesprochenen Zeilen steckt.

Nein, die AfD schützt „uns“ nicht vor Moslems. Und schon gar nicht davor, dass ihre Mechanismen auch uns immer stärker bedrohen. Die Saat wirkt gegen das Fremde und die Anderen. Im Zweifel werden auch „wir“ das mit der Zeit sein.

Lesetipp: Queer.de hat kurz nach der Fertigstellung dieses Artikels ausführlich beschrieben, dass die AfD neue Schwerpunkte setzen will. Interne E-Mails des Parteivorstands zeigen deutlich, dass auch Homo- und Transphobie dazugehören sollen. Es wird also immer offensichtlicher, wo die Reise hingeht.

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

CSDs können gar nicht schrill genug sein!

Die Geschichte zeigt, dass heutige Freiheiten nicht durch Heteronormativität erstritten wurden. Akzeptanz durch Anpassung ist diese Bezeichnung nicht wert. Man muss nicht gleich sein, um gut zu sein.

Stonewall

Schon mal das Zitat „Stonewall was fitting in“ gehört? Natürlich nicht. Korrekt ist nämlich „Stonewall was a riot“. Die Menschen in der Stonewall Bar haben einen Aufstand durchgeführt, statt sich zu fügen oder anzupassen. Auf diesen Aufstand in der Christopher Street gehen die heutigen CSDs zurück.

Manchmal kann es schon wundern, dass viele Leute die Worte „Christopher Street Day“ ganz selbstverständlich nutzen, aber sich anscheinend nie damit beschäftigt haben, woher dieser Begriff kommt. Dann würde sich nämlich fast jegliche Diskussion darum erledigen, ob wir uns an diesen Tagen „zu schwul“, „zu anders“ oder „zu schrill“ geben.

Chris Fleischhauer, von Beruf Lottofee, findet derzeitige CSDs kontraproduktiv. Er betont, dass die meisten Schwulen „ganz normal“ – was aus seiner Sicht bedeutet, dass sie kaum von heterosexuellen Männern zu unterscheiden seien – sind.

Herr Fleischhauer ist weder der erste, noch der einzige, welcher CSDs dafür kritisiert, wie sich LGBTIQ* dort präsentieren. Die Debatte gab es schon immer und sie flammt in unterschiedlichen Abständen auch immer mal wieder auf.

Im Detail sieht die Kritik nicht jedes Mal gleich aus. Hier sind die Tunten Schuld, dort ist zu viel nackte Haut das Problem und manchmal wird einfach zu viel gefeiert. Halbnackte, angetrunkene Tunten, die zu Madonna kreischen und tanzen (oder beides gleichzeitig, die können das, sogar richtig gut), sind für manch einen wohl der Super-GAU.

Etwas Geschichte vorweg: In der Stonewall Bar waren es vor allem Tunten, Drag Queens und Transvestiten, die sich zur Wehr gesetzt haben. Damit wurde eine selbstbewusste und sichtbare Bewegung geschaffen.

Es handelt sich also um nicht weniger als Geschichtsverdrehung, zu behaupten, dass diese uns das Leben schwer machen. Die heutigen CSDs würden ohne sie wohl kaum stattfinden. Im Grunde genommen würde es uns sogar schaden, wenn wir einen Teil „unserer“ Vergangenheit wieder unsichtbar machen würden.

Ich möchte, dass wir – im Alltag durch die Gesellschaft und juristisch vom Gesetzgeber – gleich behandelt werden, aber auch anders sein und bleiben dürfen. Jeder sollte das Recht haben, für sich den Lebensentwurf zu wählen und zu leben, der zu ihm passt und mit dem er oder sie am glücklichsten ist.

Ob offene Partnerschaften oder sexuelle Selbstbestimmung. Ob Tunte, Lederkerl, Diva, unauffällig oder eine bunte Mischung aus alledem. Das Letzte was wir brauchen, ist Akzeptanz durch Anpassung. Denn Vielfalt ist unsere Stärke!

Richtig ist, dass vor allem die großen CSDs sehr kommerzialisiert erscheinen oder auch sind. Aber machen wir uns doch nichts vor. Irgendwie muss man sich finanzieren. Kritisieren kann man natürlich, dass Unternehmen oder politische Parteien für sich werben, die nichts für uns leisten oder sogar gegen uns agieren.

Wer sich nicht für unsere Interessen einsetzt oder wessen Aktivitäten diesen sogar widersprechen, der hat schlichtweg nichts dort zu suchen. Ich bezweifle aber, dass man pauschal gesehen nicht gleichzeitig politisch und kommerziell sein kann.

In Bezug auf den Kommerz dreht sich die Kritik auch darum, dass es vielen nur um eine große Party geht. Aber wieso sollten wir unsere oben genannte Vielfalt nicht feiern dürfen? Wie großartig ist es bitteschön, verglichen mit der Vergangenheit, dass zumindest ein Teil der LGBTIQ* Menschen frei von bestimmten Sorgen ist.

Es ist doch toll, dass Menschen sie selbst sein können, ohne damit automatisch bedrohliche Gedanken zu verbinden. Denn für andere ist diese Art von Gedankengängen leider immer noch Alltag.

Alltag ist für manche LGBTIQ* auch, dass sie bereits einen „Happy Pride“ hatten, wenn sie ihn nur überleben. Ist diese Party, die wir hierzulande feiern, also überhaupt politisch? Oder nur ein Saufgelage, bei dem gevögelt wird? Ich finde wir sollten feiern und – wer es möchte – auch saufen und ficken. Warum? Weil wir es können!

Das ist in diesem Fall kein abgedroschener Satz, sondern tatsächlich eine Begründung. Alleine dass wir in einem Land leben, in dem die Polizei eine solche Demonstration begleitet, statt sie aufzulösen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein hart erkämpftes Gut.

Party kann eben doch politisch sein. Genau dann, wenn Vielfalt, Liebe und das Leben gefeiert werden. Das war vor nicht allzu langer Zeit noch verboten. Wir sind sichtbar. Und Sichtbarkeit ist die Grundlage, auf die vieles aufbaut. Gleichberechtigung. Offenheit. Freiheit. Akzeptanz.

„Ich möchte dass ihr feiert. Oft ist unsere einzige Hoffnung, davon zu träumen, wie es sein könnte. Das macht manchmal traurig. Aber es macht auch Mut. Feiert, weil ihr es dürft. Wir würden es auch tun. Irgendwann werden wir es tun. Vielleicht ja alle zusammen.“

Diese Aussage stammt von einer nigerianischen Freundin von mir. Es ist wichtig die Vergangenheit zu kennen und um die Umstände an anderen Orten zu wissen. Denn dann kommen wir vielleicht auch davon weg, dass einige Personen in gute und schlechte CSD-Teilnehmer*innen oder Communitymitglieder*innen unterscheiden und denen in die Karten spielen, die uns sowieso nicht wohl gesonnen sind.

Bleiben wir also sexy, tuntig, provokativ, spießig und/oder politisch. Seid, wer ihr seid. Denn dies bereichert uns alle. Man muss nicht gleich sein, um gut zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich allen viele tolle Erlebnisse‬. Trefft viele alte und neue Bekannte. Verführt und lässt euch verführen. Genießt die Sonne, die gute Laune, die Liebe und die Freundschaft. Aber vergesst bei alledem nicht die, die es nicht so leicht haben.

Ähnlicher Artikel: Merkels Verlogenheit zur #EheFürAlle bei #NetzFragtMerkel

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Merkels Verlogenheit zur #EheFürAlle bei #NetzFragtMerkel

Angela Merkel spricht davon, dass „wir“ viel erreicht haben. Dabei war es ihre Partei, die das Lebenspartnerschaftsgesetz verhindern wollte und bis heute – in Sachen Gleichstellung Homosexueller – vom Bundesverfassungsgericht vor sich hergetrieben wird.

Am Montag hat YouTuber „LeFloid“ sein Interview mit Angela Merkel veröffentlicht. Es gab leider – obwohl das auch zu erwarten war – keine besonders neuen Erkenntnisse, daher möchte ich mich auf einen kleinen Teil dessen konzentrieren, um den es inhaltlich ging.

Im Interview nimmt dieser Teil etwas mehr als zwei Minuten ein. Wenn in der Kürze die Würze liegt, dann hat sie in diesem Fall bei mir für Magenverstimmung gesorgt, um mal auf bestimmte Bauchgefühle anzuspielen.

In Sachen Ehe für alle sagt Angela Merkel (im Interview ab 4.15) zunächst:

„Ich bin erst mal jemand, der sehr stark dafür ist, dass wir alle Diskriminierung abbauen.“

Diesen Satz hat sie bereits mehrfach gesagt und er war schon immer fragwürdig. Angela Merkel und ihre Partei sind gegen die Gleichstellung Homosexueller. Das ist Diskriminierung. Wobei ich persönlich mich dabei ungern auf die Ehe beschränke. Die fehlende Rehabilitation der Opfer des § 175, zählt für mich dazu. Aber auch der nicht ausreichende Schutz vor Diskriminierung.

Was ich aber viel schlimmer und auch irgendwie dreister finde ist, was sie danach sagt:

„Wir haben ja viel geschafft“

Dabei bezieht sie sich auf die letzten 25 Jahre. Aber Nein! Nicht wir haben viel erreicht und schon gar nicht die CDU oder Angela Merkel!

Was bei den ganzen Debatten um die Eheöffnung auffällt ist, dass ein Großteil der Unionspolitiker*innen darauf verweist, wie angeblich fortschrittlich das Lebenspartnerschaftsgesetz ist. 2001 galt das vielleicht noch, aber sicher keine 14 Jahre später mehr. Heute haben uns viele Staaten, von denen man es damals nicht gedacht hätte, sogar überholt.

Mit diesem Argument wird auch versucht die Gemüter zu beruhigen. Gleiche Rechte stehen euch zwar nicht vollständig zu, aber ein halb leeres Glas könnte man doch auch als halb voll betrachten. Dieser Optimismus geht manchmal so weit, dass einige dieser Gleichstellungsblockierer fast vor Stolz platzen, so toll geht es LGBTIQ* in unserem Land.

Es sind die Parteien CDU und CSU und teilweise auch genau dieselben Abgeordneten, die damals massiv gegen dieses Gesetz gekämpft haben. Sich damit zu schmücken, wie weit „wir“ gekommen sind und so zu tun, als hätte man irgendeinen Anteil daran, obwohl dem nicht so ist, ist ziemlich scheinheilig.

Dasselbe gilt übrigens auch für all die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. In den letzten Jahren war genau dieses der Motor, was die Gleichstellung in Deutschland angeht. Ich bin ziemlich sicher, dass es das weiterhin bleiben wird. Abgesehen von der Behebung kosmetischer Mängel, spielt nämlich auch die SPD in der aktuellen Regierung keine Glanzrolle.

Es wird eine Zeit kommen, in der wird die Gleichstellung Homosexueller so normal sein wie das Frauenwahlrecht. Niemand wird es hinterfragen. Vielleicht werden sich die Menschen nicht mal mehr vorstellen können, wie es heutzutage war.

Wir können uns sicher darauf freuen, dass Politiker*innen, die überhaupt nichts gegen Diskriminierung geleistet haben, sich irgendwann damit brüsten.

Mein Gefühl sagt mir, dass die Kanzlerin überhaupt gar kein Problem mit Homosexuellen, der Ehe für alle und auch dem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare hat. Nach fünf Kölsch – wenn sie geübt ist zehn – würde sie das auch zugeben. Aber auch wenn sie es „nur“ tut, um gewisse Kreise nicht zu verärgern, möchte ich das nicht akzeptieren. Und natürlich muss man sich an seinen Taten messen lassen.

Diskriminierung muss so benannt werden. Wer diskriminiert, soll wenigsten das Rückgrat haben es zuzugeben. Und bitte nicht so tun, als ob er oder sie eine Art Kämpfer*in gegen Ungleichbehandlung sei. Das macht mich persönlich nur noch wütender, weil es unglaublich verlogen ist.

Ähnlicher Artikel: 2015 geht’s um mehr als Eheöffnung!

Lesetipps: Beim Zaunfink habe ich bereits etwas über dieses Thema gelesen. Er hat auch einen Artikel des Tagesspiegel verlinkt, der meinem thematisch ähnelt und detaillierte Hintergründe beinhaltet. Zu guter Letzt hat Merkel auch beim „Bürgerdialog“ etwas zur Eheöffnung gesagt.

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

2015 geht’s um mehr als Eheöffnung!

Islamischer Staat, Boko Haram, EU-Krise, Ukraine-Krise, Nahost-Krise, PEGIDA-Bewegung oder Fanatiker, die zuletzt in Paris gezeigt haben, was sie von unseren Werten halten. All das wird 2015 mit Sicherheit öfter Thema sein. Aber auch was LGBTIQ* (Lesben, Schwule, Bi-, Trans*- und Intersexuelle, Queerpersonen ) Themen angeht wird es ein wichtiges Jahr.

Regenbogen kleinere Größe

Im gerade vergangenen 2014 ist eines aufgefallen: Der Ton wird schärfer. Gleichzeitig werden alte Vorurteile neu und manchmal subtiler verpackt. Hass wird unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit verkauft. Angeblich menschliche Ängste werden als Vorwand benutzt um auszugrenzen.

Unter Adjektiven wie „besorgt“, gehen Eltern und andere Menschen auf die Straße, die gegen sexuelle Vielfalt in Schulplänen sind. Das klingt immer gut. Wir erwarten schließlich von Eltern – eigentlich von der Gesellschaft insgesamt – dass sie sich um den Nachwuchs sorgen. Kinder sind schließlich nicht nur unsere Zukunft, sondern bis zu einem bestimmten Alter schlicht abhängig von Erwachsenen.

Ich bin übrigens auch besorgt. Ebenfalls um die Kinder. Aber aus einem anderen Grund. Ich möchte rufen: „Schützt eure Kinder vor euch selbst!“. Denn was werden diese fühlen, wenn sich herausstellt, dass sie lesbisch, schwul, bi-, trans*- oder intersexuell sind und ihre Eltern gegen die Sichtbarkeit genau dieser Gruppen auf die Straße gehen? Man möchte es sich gar nicht erst vorstellen.

„Sichtbarkeit“ ist übrigens ein gutes Stichwort. Auf ihr baut fast alles auf. Deswegen ist sie so wichtig. Und sollte dort verteidigt werden, wo sie bereits herscht. Dort erkämpft, wo sie noch fehlt. Aber was macht Sichtbarkeit so wichtig?

Nehmen wir Deutschland stellt man fest, dass die Gesellschaft überwiegend für Gleichstellung ist, es herrscht ein offeneres Klima als früher. Auch wenn es natürlich einen Teil Radikaler gibt, die niemals Pro, sonder immer Contra sein werden.

Wenn wir die letzten 20 Jahre anschauen, dann hat sich das nahezu rasant entwickelt. Von der Abschaffung des §175, über die Einführung der Lebenspartnerschaft, bis hin zu aktuellen Diskussionen um die komplette Eheöffnung oder eben die Darstellung sexueller Vielfalt in Lehrplänen.

Der Kampf um Sichtbarkeit und Solidarität, den Aidshilfen, Verbände und Aktivist*innen vor Jahrzehnten kämpften – wofür man heute nur dankbar sein kann – spielt dabei wahrscheinlich die größte Rolle. Sie machten sich bemerkbar, standen für sich und uns heute ein und starteten eine Welle, die 1994 mit der kompletten Abschaffung der Kriminalisierung, also des §175, so richtig Fahrt aufnahm.

Sichtbarkeit sorgt dafür, dass Menschen überhaupt die Möglichkeit haben sich mit einem Thema auseinander zu setzen, es zu verstehen, sich dafür zu öffnen und es schließlich auch zu akzeptieren. Das fällt besonders im Vergleich mit Russland und anderen Staaten auf, die LGBTIQ* durch Verschärfungen von Gesetzen immer weiter in die Unsichtbarkeit drücken. Wer will sich schon dort outen, wo Verfolgung oder Repression die Folge sind?

Was Menschen nicht kennen, lehnen sie oft leider ab. Nicht zwingend, es gibt natürlich zum Glück auch neugierige, offene Leute, aber häufig fällt auch das Gegenteil auf. Dies ist bei uns übrigens nicht anders, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Was Aufgeschlossenheit gegenüber Migrant*innen betrifft, sind Bürger*innen in den Bundesländern mit den höchsten Anteilen an Ausländer*innen am offensten. Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, die dort am meisten Zulauf haben, wo die wenigsten Ausländer*innen leben, lassen grüßen.

Dies ist so, weil Sichtbarkeit und Zusammenleben sensibilisieren und Vorurteile abbauen. Die russische Regierung z. B. unterdrückt in Bezug auf sexuelle Vielfalt diese Möglichkeit mit ihrer Gesetzgebung und Panikmache. Durch staatliche Zensur, auch medialer Form, nimmt sie der Bevölkerung eine wichtige Möglichkeit, das Andere und vor allem die Anderen kennen und akzeptieren zu lernen.

Worum geht es also, wenn Menschen fordern, dass sexuelle Vielfalt nicht an Schulen thematisiert werden darf? Wenn sich wieder Männer und Frauen darüber aufregen, dass „die kleine Minderheit“ an Lesben, Schwulen, Bi-, Trans*- und Intersexuellen zu viel mediale Aufmerksamkeit bekommt, weil es angeblich Wichtigeres gibt? Es geht um die Bekämpfung von Sichtbarkeit. Jene ist – wie gesagt – die Grundlage, auf die vieles aufbaut. Gleichberechtigung. Offenheit. Freiheit. Akzeptanz.

2015 wird der Kampf um diese, für uns hier, aber auch für viele andere Menschen an verschiedenen Orten auf der Welt, weitergehen. Vielleicht ist es der wichtigste Kampf, der seit der Aids-Krise bestritten wurde. Davor habe ich Respekt, weil es um einiges geht. Aber es macht auch Lust auf die Auseinandersetzung, weil sie uns voranbringen kann.

Wir sollten uns mit anderen Minderheiten zusammentun. Migrant*innen, Menschen mit Behinderung oder einfach alle die, die es schwer haben und unter Stigmatisierung leiden. Denn auch für sie gilt Sichtbarkeit als eines der wichtigsten Mittel, um ein realistisches Bild von sich zu zeigen und so auf weniger Diskriminierung zu hoffen.

PEGIDAner*innen greifen nicht nur Ausländer an. Besorgte Eltern nicht nur LGBTIQ*-Personen. Antisemit*innen nicht nur Personen jüdischen Glaubens. Sie alle greifen – weil ihre Parolen nicht selten die Menschenwürde antasten – unsere Verfassung und unsere Werte an. Dagegen müssen wir uns gemeinsam stellen. Laut und vor allem: Sichtbar!

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.