„Ich liebe Schwule!“ – Gott im Interview

Gott wird seit vielen Jahrhunderten als Argument für menschenverachtende Positionen herangezogen. Ich habe mit ihm über die Bibel, seine Meinung zu LSBTIQ*, das Verhältnis zum Teufel und die „Ehe für Alle“ gesprochen.

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Gott: „Nehmen Sie dieses Bild, da liegen meine Haare gut…“ (Foto: Christian Anderl)

Ich freue mich sehr, dass Sie Zeit für ein Interview gefunden haben. Zunächst einmal bin ich etwas unsicher, wie ich Sie ansprechen soll?

Ich habe vollstes Verständnis für Ihre Verunsicherung. Es liegt sicherlich auch an meinen vielen Bezeichnungen, die in der Welt kursieren. Das war auch alles ein großes Missverständnis, denn irgendjemand hat einfach den Namen meines Grindrprofils („Allah“, Anmerkung der Redaktion) in Umlauf gebracht. Ich hatte ihn gewählt, um anonym zu bleiben. Da ich aber unvorsichtig handelte und sehr schnell Facepics verschickte, war ich dies natürlich nicht lange. Die Szene ist ein Dorf. Das spricht sich schnell rum. Nennen Sie mich einfach Gott.

Kommen wir zu einem Thema, welches alle brennend interessieren dürfte. Viele behaupten „Gott hasst Schwule!“. Jetzt, wo ich Sie hier vor mir habe, möchte ich die Chance nutzen, um zu erfahren, ob da etwas dran ist.

Was? Nein! Ich liebe Schwule! Hat nicht einer von denen das Haargel erfunden? Ich starte direkt eine Petition im Internet, um einen bundesweiten Feiertag für diese wichtige Leistung einzuführen. Übrigens gilt meine Liebe auch lesbischen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen. Das ist hier doch ein vielfältiger Blog, oder? Also bitte auch alle mitdenken!

Entschuldigung, ich hatte vermutet sie mit dem LSBTIQ*-Buchstabenkürzel zu überfordern!

Wieso das denn? Ich habe sie doch alle gemacht! Viel schlimmer finde ich Parteienkürzel, die nicht halten was sie versprechen. Schreibt nicht christlich drauf, wo es nicht drin ist. Ich lasse mich ungern als Feigenblatt benutzen.

Ihre Einstellung überrascht mich. Schließlich findet man in der Bibel schon ein paar Stellen, die eine Abneigung gegenüber LSBTIQ* vermuten lassen könnten.

Bibel? Das sagt mir nichts! Nennen Sie mir bitte eine entsprechende Stelle aus dem Buch.

Da wäre zum Beispiel diese hier: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Greuel.“

Wer hat das denn geschrieben? Klingt wie jemand, der sich schwer mit Twitter tut und nicht adäquat in 140 Zeichen auszudrücken weiß. Keine Buchempfehlung von mir. Die Menschen sollten bei J. K. Rowling und Stephen King bleiben. Das ist wenigstens unterhaltsame Fiktion.

Wo wir gerade von Feiertagen sprachen. Es ist kein klassischer Feiertag, aber wenn ich sie richtig verstehe, dann haben Sie demnach auch nichts gegen den CSD?

Auf gar keinen Fall! Der kommt auf meiner Favoritenliste direkt nach Liza Minelli und den Golden Girls.

Es ist Ihnen auch nicht zu viel Nacktheit, Party und Sex?

Himmel nein, ich habe euch doch nicht gemacht, damit ihr euch wie Heteros benehmt. Wobei die ja zum Glück auch immer häufiger ihre strengen Vorgaben zu Sexualität und Beziehungen überdenken. Vergeht ja kaum ein Tag, an dem kein Artikel dazu auf ze.tt oder bento veröffentlicht wird. Die sind doch repräsentativ, oder?

Das ist toll. Könnten Sie dies auch Ihren Anhänger*innen vermitteln?

Wissen Sie, dass probiere ich seit Ewigkeiten. Wir hatten ja früher nüschts. Leider auch keine Medizinkenntnisse, weshalb sie in meinen Jugendjahren noch sehr fehleranfällig war. Seit einer Mandeloperation leide ich an einem Sprachfehler und werde öfter falsch verstanden. Es stimmt, ich spreche zu den Menschen. Jedoch sagte ich „Homosexualität ist Freude pur…“ und nicht „Homosexualität ist gegen die Natur…“, wie so viele behaupten.

Hoffentlich lesen das hier dann die richtigen Menschen!

Das hoffe ich auch. In der Vergangenheit schrieb ich bereits diverse Verlage an, um meine frohe Botschaft unter die Leute zu bringen. Aber als „Gott“ erhalte ich nie eine Antwort auf meine Manuskripteinsendungen. Wahrscheinlich nimmt mich keiner ernst, weil es für ein Pseudonym gehalten wird. Wenn ich allerdings unter anderem Namen veröffentliche, dann nehmen dies wiederum die Glaubensgemeinschaften nicht ernst. Die sagen ja immer „Gott steht über allem“. Dabei bin ich gar kein Top, sondern Versatile Bottom. Es ist ein Teufelskreis.

Gibt es diesen Teufel eigentlich?

Klar, aber auch er kämpft mit Vorurteilen. Gut, ich habe nach unserer Trennung etwas schlecht über ihn geredet, vielleicht auch die ein oder andere Lüge über seine Penislänge verbreitet. So sind Tunten halt. Allerdings können wir heute wieder normal miteinander umgehen.

Das ist schön zu hören. Möchten Sie zum Abschluss noch eine Botschaft an die Leute richten?

Ich würde lieber eine Frage stellen. Da mir der Sinn von Selbstkasteiung ja noch nie so richtig klar war, würde ich gerne wissen, warum Sie diese „Ehe für Alle“ wollen? Aber eigentlich kann es mir ja egal sein, wenn Sie sich in dasselbe Unglück stürzen wie die heterosexuelle Mehrheit. Meinen Segen dafür haben Sie!

Vielen Dank für das Gespräch!

Anderes Interview: „HIV ist und bleibt eine Infektionskrankheit, die mit Ficken, Moral und Schuld zu tun hat.“ – Socke und Schuss im Interview!

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.

Merkels Verlogenheit zur #EheFürAlle bei #NetzFragtMerkel

Angela Merkel spricht davon, dass „wir“ viel erreicht haben. Dabei war es ihre Partei, die das Lebenspartnerschaftsgesetz verhindern wollte und bis heute – in Sachen Gleichstellung Homosexueller – vom Bundesverfassungsgericht vor sich hergetrieben wird.

Am Montag hat YouTuber „LeFloid“ sein Interview mit Angela Merkel veröffentlicht. Es gab leider – obwohl das auch zu erwarten war – keine besonders neuen Erkenntnisse, daher möchte ich mich auf einen kleinen Teil dessen konzentrieren, um den es inhaltlich ging.

Im Interview nimmt dieser Teil etwas mehr als zwei Minuten ein. Wenn in der Kürze die Würze liegt, dann hat sie in diesem Fall bei mir für Magenverstimmung gesorgt, um mal auf bestimmte Bauchgefühle anzuspielen.

In Sachen Ehe für alle sagt Angela Merkel (im Interview ab 4.15) zunächst:

„Ich bin erst mal jemand, der sehr stark dafür ist, dass wir alle Diskriminierung abbauen.“

Diesen Satz hat sie bereits mehrfach gesagt und er war schon immer fragwürdig. Angela Merkel und ihre Partei sind gegen die Gleichstellung Homosexueller. Das ist Diskriminierung. Wobei ich persönlich mich dabei ungern auf die Ehe beschränke. Die fehlende Rehabilitation der Opfer des § 175, zählt für mich dazu. Aber auch der nicht ausreichende Schutz vor Diskriminierung.

Was ich aber viel schlimmer und auch irgendwie dreister finde ist, was sie danach sagt:

„Wir haben ja viel geschafft“

Dabei bezieht sie sich auf die letzten 25 Jahre. Aber Nein! Nicht wir haben viel erreicht und schon gar nicht die CDU oder Angela Merkel!

Was bei den ganzen Debatten um die Eheöffnung auffällt ist, dass ein Großteil der Unionspolitiker*innen darauf verweist, wie angeblich fortschrittlich das Lebenspartnerschaftsgesetz ist. 2001 galt das vielleicht noch, aber sicher keine 14 Jahre später mehr. Heute haben uns viele Staaten, von denen man es damals nicht gedacht hätte, sogar überholt.

Mit diesem Argument wird auch versucht die Gemüter zu beruhigen. Gleiche Rechte stehen euch zwar nicht vollständig zu, aber ein halb leeres Glas könnte man doch auch als halb voll betrachten. Dieser Optimismus geht manchmal so weit, dass einige dieser Gleichstellungsblockierer fast vor Stolz platzen, so toll geht es LGBTIQ* in unserem Land.

Es sind die Parteien CDU und CSU und teilweise auch genau dieselben Abgeordneten, die damals massiv gegen dieses Gesetz gekämpft haben. Sich damit zu schmücken, wie weit „wir“ gekommen sind und so zu tun, als hätte man irgendeinen Anteil daran, obwohl dem nicht so ist, ist ziemlich scheinheilig.

Dasselbe gilt übrigens auch für all die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. In den letzten Jahren war genau dieses der Motor, was die Gleichstellung in Deutschland angeht. Ich bin ziemlich sicher, dass es das weiterhin bleiben wird. Abgesehen von der Behebung kosmetischer Mängel, spielt nämlich auch die SPD in der aktuellen Regierung keine Glanzrolle.

Es wird eine Zeit kommen, in der wird die Gleichstellung Homosexueller so normal sein wie das Frauenwahlrecht. Niemand wird es hinterfragen. Vielleicht werden sich die Menschen nicht mal mehr vorstellen können, wie es heutzutage war.

Wir können uns sicher darauf freuen, dass Politiker*innen, die überhaupt nichts gegen Diskriminierung geleistet haben, sich irgendwann damit brüsten.

Mein Gefühl sagt mir, dass die Kanzlerin überhaupt gar kein Problem mit Homosexuellen, der Ehe für alle und auch dem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare hat. Nach fünf Kölsch – wenn sie geübt ist zehn – würde sie das auch zugeben. Aber auch wenn sie es „nur“ tut, um gewisse Kreise nicht zu verärgern, möchte ich das nicht akzeptieren. Und natürlich muss man sich an seinen Taten messen lassen.

Diskriminierung muss so benannt werden. Wer diskriminiert, soll wenigsten das Rückgrat haben es zuzugeben. Und bitte nicht so tun, als ob er oder sie eine Art Kämpfer*in gegen Ungleichbehandlung sei. Das macht mich persönlich nur noch wütender, weil es unglaublich verlogen ist.

Ähnlicher Artikel: 2015 geht’s um mehr als Eheöffnung!

Lesetipps: Beim Zaunfink habe ich bereits etwas über dieses Thema gelesen. Er hat auch einen Artikel des Tagesspiegel verlinkt, der meinem thematisch ähnelt und detaillierte Hintergründe beinhaltet. Zu guter Letzt hat Merkel auch beim „Bürgerdialog“ etwas zur Eheöffnung gesagt.

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit Anfang 2017 schreibe ich an meinem ersten Buch.