Die blu-Mediengruppe und der offene Brief… – Die Fortsetzung!

Gestern habe ich einen offenen Brief an die blu-Mediengruppe verfasst. Prompt hat sich auch ein Chefredakteur gemeldet, der weiterhin mit falschen Tatsachen versucht, ein negatives Bild von Migranten zu verkaufen. Die rik hat mittlerweile reagiert: Das Posting ist gelöscht!

Keinen CSD mit Nazis

Ich habe eine Reaktion von Christian Knuth, Chefredakteur, bekommen, auf die ich reagieren möchte, denn die Dinge, die er schreibt, kann und will ich so nicht stehen lassen. Hier seine Aussagen und meine Antworten darauf:

„1. richtig erkannt, wir haben auch in der schwulen Szene ein Rassismusproblem“

Vielen Dank für diese Feststellung!

„2. es hilft nichts, dieses totzuschweigen oder Denk- bzw. Redeverbote zu erteilen, in dem schon die Erwähnung des Problems als Rassismus gewertet wird.“

Niemandem geht es um ein Rede- oder Denkverbot, das habe ich in meinem Text auch nirgends geschrieben. Wie kommen Sie also darauf? Dass das Rassismusproblem thematisiert gehört, erwähne ich ausdrücklich im letzten Teil des Textes! Sie (oder Herr Alp) haben nicht das Problem erwähnt, bzw. vielleicht mit viel Phantasie am Ende, sondern in die gleiche Kerbe gehauen, indem sie auf “Tatsachen” verweisen. Das ist ein großer Unterschied.

„3. bitte checke deine Fakten, bevor du hier journalistische Qualität anmahnst. Die 16% „Nichtdeutsche Übergriffe“ stammen aus der ersten Maneo-Studie 2006/2007 und sind dort nicht abgefragt worden, sondern von den Teilnehmern ungefragt eingetragen worden. Dieses Verhalten überraschte die Macher der Studie, weswegen in der Nachfolgestudie 2008 eine Einschätzung gemacht werden konnte: „Von denen, die sich in ihrer Einschätzung sicher sind, nehmen 16.9 Prozent einen rechtsradikalen Hintergrund der Täter an. 60.4 Prozent der in Deutschland wohnenden Befragten denken, dass es Deutsche waren, folglich vermuten 39.6 Prozent eine nichtdeutsche Herkunft bzw. einen Migrationshin- tergrund bei den Tätern. Die im Bericht zur Vorjahresuntersuchung geäußerte Befürchtung, dass der dort in einer offenen Frage erhaltene Anteil nichtdeutscher Täter mit 16 Prozent der Fälle unterschätzt sein dürfte (vgl. Lippl 2007), kann damit als bestätigt angesehen werden.“

Schön, wie sie die aktuellere Studie zitieren. Leider haben Sie aber behauptet, 40 Prozent der Täter haben einen Migrationshintergrund. Ich frage erneut: Wie kommen Sie darauf? Die einzige Zahl, die im Raum stand, sind die 16% der vorigen Studie, danach eine Vermutung (danke, dass Sie dieses Wort auch selber nutzen) der Folgestudie als Tatsache zu verkaufen grenzt an Dreistigkeit. Vielleicht haben einige der Befragten auch gesagt, dass sie es nicht wissen? Sie behaupten allerdings direkt, dass es sich um Menschen mit Migrationshintergrund handelt.

Zumal die Macher der Maneo-Studie selber schreiben und sagen, dass die Studie wenig repräsentativ ist, weil nach einem “subjektivem Eindruck” gefragt wird. Und: Ich weiß nicht, wie sehr Sie sich mit Studien beschäftigen, aber es gilt nicht nur, dass viele gefälscht sind (“Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast”), sondern auch, dass die Befragten sehr oft das antworten, was man von ihnen erwartet.

Ergo: Wenn Politiker, öffentliche Personen und auch Leute wie Sie davon sprechen, dass “überproportional viele” Täter Migrationshintergrund haben, dann hat dass Einfluss auf die Antworten der Menschen. Ich frage auch hier erneut: Warum schreiben Sie, dass überproportional viele Täter einen Migrationshintergrund haben? Selbst wenn 40% einen Migrationshintergrund haben würden, was ja nur eine Vermutung ist und Vermutungen eignen sich allgemein nicht für Tatsachenbehauptungen, ist das nicht die Mehrheit! Was wollen Sie damit erreichen?

„4. genau diese 39,6 % werden von Gruppierungen wie Pro Köln genutzt, um unterschwellig oder auch ganz offen Angst zu schüren und so Zulauf für ihre „Partei“ zu generieren. Hier muss ein Diskurs geführt werden, denn ein einfaches Wegsperren dieser Gefahr von Rechts führt dazu, dass sich Opfer und Verängstigte unverstanden fühlen und den Parolen viel eher auf den Leim gehen. Das ist der Grund, warum unser Herausgeber in seinem Artikel dazu aufruft, sich gut zu überlegen ob und wie ein Ausschluss sinnvoll durchführbar ist.“

Ja, pro Köln nutzt Angst und Vorurteile, die oft auf Vermutungen basieren, sie fallen drauf rein – Herzlichen Glückwunsch!

5. der Vorwurf, wir würden Migranten als Gegner bezeichnen, ist infam und widerlich

Widerlich ist, dass sie Tatsachen verbreiten, die keine sind und auch selber gerade schreiben, dass es sich lediglich um Vermutungen handelt. Aber selbst diese weisen nicht mal auf eine “überpoportionale Mehrheit” hin.

6. wir sind nicht unpolitisch. Wie queer.de, Siegessäule und weitere sind wir Anzeigenfinanziert. Daraus journalistische Qualität abzuleiten ist schön einfach. Genau so einfach wie Studien nur zu überfliegen oder sich mit Texten eine Minute bzw. bis zum ersten Absatz zu befassen um dann die nächste Sau durchs Dorf zu jagen.

Was politisch ist, darüber kann man streiten. Das was sie da auf Ihrer Seite haben kratzt vielleicht an gewissen politischen Themen, aber nicht mehr. Queer.de und die Siegessäule sind weitaus mutiger und detailreicher, was die Berichterstattung angeht, wenn Sie diese schon als Vergleich wählen. Da wird nicht nur an der Oberfläche gekratzt.

Und: Ich habe die Studien nicht einfach überflogen, auch nicht ihren Text. Wie Sie oben sehen, studiere ich sie anscheinend anders als Sie und (was noch wichtiger ist) hinterfrage Zahlen auch gerne. Sollte man vielleicht öfter mal tun.

Übrigens: Der Text auf der rik-Facebookseite war weitaus schärfer geschrieben, als auf der blu-Seite. Des Weiteren hat irgendjemand von Ihnen aufschlussreiche Kommentare als rik-Seiteninhaber unter den Artikel gesetzt. Nachdem viele Leute sich gegen Ihre Sichtweise gewehrt haben, hieß es, diese haben “Bretter vorm Kopf” oder „wollen die Wahrheit nicht wahr haben“. Wo sind diese Kommentare hin? Warum wurde das gesamte Posting von Ihnen ohne Hinweis gelöscht?

Gerade an den Kommentaren konnte man sehr gut ablesen, was für ein Gedankengut bei Ihnen in der Redaktion herrscht. Sie können mir gerne vorwerfen ungründlich recherchiert zu haben, sie beweisen mit Ihrem Kommentar selber, wer schlecht recherchiert und Zahlen in die Welt trägt ohne die Infos zu prüfen.

Es ist feige, wenn man einfach versucht so zu tun, als wäre da nie etwas gewesen. Angemessen wäre eine Richtigstellung Ihrer angeblichen Fakten, die keine sind. Jetzt die Spuren zu verwischen und zu hoffen, dass Gras über die Sache wächst, macht es nicht besser.

So viel dazu, ich möchte aber noch kurz auf etwas anderes hinweisen, dass nicht mit dem Chefredakteur zu tun hat.

Pro Köln hat gerade eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der quasi steht, dass sie „mit ihren politischen Zielen und Forderungen auch vielen Homosexuellen aus dem Herzen spricht“. Es tut mir fast schon weh, aber ich glaube, es gibt tatsächlich unter uns Menschen, die rassistisch sind oder zumindest Vorurteile befeuern, ohne Fakten dafür in der Hand zu halten.

Zeitgleich habe ich einen anonymen Kommentar bekommen, dass ich, wegen des offenen Briefes, auf „einer schwarzen Liste“ von Rechtsnationalen eingetragen werde. Liebe Nazis, diese Einschüchterungsversuche bringen nichts. Ich habe keine Angst und mache weiter. Egal was kommt!

Pro Köln schreibt in der Pressemitteilung übrigens auch: „Wir stehen erst am Anfang unserer Kampagne…“! Ich antworte: „Ich stehe erst am Anfang meines Widerstandes…“! Wie viele andere auch! Denn die Kommentatoren bei rik, unter meinem Brief, bei Queer.de und anderswo sind zu 95% gegen Rassismus und pro Köln. Super!

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00 Januar 2016

Ich bin Marcel und schreibe über das Weltgeschehen und/oder mein persönliches Leben. Gleichzeitig veröffentliche ich auf YouTube Videos. Meistens dreht es sich um mein Leben mit HIV, LGBTIQ*-Geschehnisse oder andere gesellschaftlich relevante Themen. 2013 habe ich den „Medienpreis“ der Deutschen AIDS-Stiftung und 2014 den „Smart Hero Award“ von Facebook gewonnen.

Außerhalb der virtuellen Welt bin ich Teil der Jury des HIV-Community-Preises und referiere regelmäßig zu Aktivismus (in Zeiten des Internets) und Menschenrechtsthemen bei Aidshilfen, Selbsthilfekongressen und ähnlichen Anlässen. International bin ich bisher bei der Welt-Aids-Konferenz und UNAIDS aktiv gewesen. Seit September 2017 arbeite ich an einem Konzept für mein erstes Buch.

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